Das Böse, die Gewalt und die Kunst

Trotz Gluthitze weiter ein Ort heißer Debatten: Beim Festival du Théâtre in Avignon setzen sich u.a. Julien Gosselin und Carolina Bianchi mit Künstler:innen der Niedertracht auseinander

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Auch das gehört zu Avignon: lange Abende, kurze Nächte. Wenn sie im Freien stattfinden, beginnen die Vorstellungen um zehn, halb elf Uhr abends und dauern oft bis in die frühen Morgenstunden. Den Rekord hält Olivier Py mit «La Servante» – 24 Stunden. Aber auch Wajdi Mouawad schaffte es bis acht Uhr morgens, der Zuschauer verließ das monumentaltheatrale Gemäuer des Papst -palastes und wurde umhüllt von frischem, leichtem Croissantduft. Insofern liegen die knapp sechs Stunden, über die sich Julien Gosselins «Maldoror» nun zur Eröffnung des 80.

Festivals von Avignon hinzieht, durchaus im Rahmen.

Wenn sie nur nicht so gleichförmig wären. Der Ton ist rasch gesetzt: laut, aufgedreht, ein offensiv frontaler Zugang, den Gosselin wählt, um über das Verhältnis von Kunst und Gewalt zu referieren. Der Titel bezieht sich auf «Die Gesänge des Maldoror» von Lautréamont, ein Kultbuch aus dem neunzehnten Jahrhundert. Maldoror ist das Ich dieser Gesänge: eine Inkarnation des Bösen schlechthin. Im Namen klingt le Mal an, eben das Böse, und Or oder Dorure, das Gold, die Vergoldung, vielleicht auch Aurore, die Morgenröte des Bösen (Baudelaire liegt nicht weit).

Mit Gosselin von Lautréamont zu Bolaño
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Theater heute Oktober 2026
Rubrik: Festivals, Seite 29
von Andreas Klaeui

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