Das Blutgerüst als Architektur
Theater heute Das Bühnenbild von Maria Stuart ist in vieler Hinsicht spektakulär. In der Wirkung und in der Konstruktion. Wie ist das entstanden, wie fügt sich so etwas zusammen?
Anne Lenk Es war eine Hauruck-Aktion. Eigentlich hatten wir uns mit dem «Zerbrochnen Krug» beschäftigt, das sollte in einem ganz schmalen Raum stattfinden, in dem die Schauspieler kaum aneinander vorbeikommen. Der Plan wurde dann im März 2020, als die Pandemie um sich griff, aufgegeben.
Es wäre unter Abstandsregeln nicht möglich gewesen, und wir haben beschlossen, die ganze Idee zu verschieben. Alternativ sind wir dann in Hinblick auf das Ensemble und die Frauenrollen auf «Maria Stuart» gekommen. Damit hing unmittelbar die Idee fürs Bühnenbild zusammen. Wir haben schon mal in Osnabrück auf der kleinen Studiobühne – im Emma-Theater – ein Stück gemacht mit einer ähnlichen, aber viel einfacheren Bühne. Es gab nur drei Kästen oben und drei Kästen unten. Sah eher aus wie ein Ikea-Regal. Die Schauspieler konnten auch nicht abtreten; sie mussten vom Beginn der Vorstellung bis zum Schluss in ihren Abteilungen bleiben. Das war sehr anstrengend. Später haben wir auch zusammen in München «Hoppla, wir leben» gemacht ...
SIBYLLE WALLUM, geboren 1979, studierte Bühnen- und Kostümbild am Central Saint Martins College of Art and Design in London. Eigene Kostümarbeiten mit der Regisseurin Anne Lenk entstanden am Residenztheater München, Thalia Theater Hamburg und am Deutschen Theater Berlin
ANNE LENK, geboren 1978, studierte in Gießen Angewandte Theaterwissenschaften, bevor sie für ein Regiestudium an die Otto-Falckenberg-Schule wechselte. Sie ist Hausregisseurin am Staatstheater Nürnberg und inszeniert regelmäßig am Residenztheater München, am Thalia Theater Hamburg und am Deutschen Theater Berlin, von wo nach «Der Menschenenfeind» 2020 nun auch ihre «Maria Stuart» zum Theatertreffen 2021 eingeladen wurde
JUDITH OSWALD, geboren 1976 in Freiburg, studierte an der Kunsthochschule Berlin Weißensee und der UDK Berlin. Sie arbeitet regelmäßig mit den Regisseur:innen Anne Lenk, Jan Philipp Gloger und Cilli Drexel zusammen, u.a. in Hamburg, Nürnberg, Stuttgart, München, Hannover und Berlin
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Theater heute Jahrbuch 2021
Rubrik: Höhepunkte des Jahres, Seite 114
von Eva Behrendt und Franz Wille
Digitales Theater ist genau genommen kein Theater. Es ist ein seltsamer Hybrid, eine Kreuzung aus Film und Theater, an dessen Erforschung und Entwicklung an allen Theatern Europas gerade fieberhaft gearbeitet wird. Mit offenem Ende. Dabei ist ein Paradox offensichtlich: Die Digitalisierung entfernt die zwei Haupt-Protagonist:innen des Theaters – also Bühne und...
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Es ist nicht so, dass es keine männliche Rolle gäbe in Svenja Viola Bungartens neuestem Stück «Maria Magda» mit dem sie den deutschsprachigen Wettbewerb des Heidelberger Stückemarkts 2021 gewonnen hat. Eine gibt es schon, bei der es zumindest dramaturgisch verschenkt wäre, sie nicht mit einem Mann zu besetzen: Die Rede ist von Gott. Und der muss für einiges...
