Darmstadt: Im Schleudersitz
So betulich der Abend anhebt, mit versunkenen Fachgesprächen unter Literaturkritiker*innen, so abgedreht endet er: in einem eindringlichen Schwur auf die Azteken, die einer jungen Mexikanerin mehr bedeuten als Gott und Elternhaus.
Denn Roberto Bolaños tausendseitiger Monumentalroman «2666», postum 2004 erschienen, gleicht einer Geisterbahnfahrt: Im Schleudersitz durchquert er die Untiefen des Seins im Allgemeinen und der postkolonialen Gegenwart im Besonderen, er verspinnt in losen Fäden historische Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg mit den heutigen Tragödien an der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze und schickt zwischen Nordeuropa und Südamerika zahlreiche Figuren ins Rennen um Liebe und Tod.
Nach seinem Erscheinen wurde der Roman des chilenischen Autors mit Superlativen überhäuft. Dagegen stieß seine deutschsprachige Erstaufführung von Álex Rigola an der Berliner Schaubühne 2014 auf wenig Begeisterung, und natürlich stellt der Brocken eine unmögliche Aufgabe für Theaterschaffende dar. Allerdings können unmögliche Aufgaben auch ziemlich gut fürs Theater sein, wie die Regisseurin Claudia Bossard jetzt am Staatstheater Darmstadt in ihrem Folgestreich des so blutrünstigen wie ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Esther Boldt
«Vielleicht ist es woanders anders, aber bei uns nicht.» Das ist der zentrale Satz in Dmitri Sokolows «Russian Boy»: Möglicherweise ist eine schwule Coming-of-Age-Geschichte im Westen kein Aufreger mehr (wobei diese These abseits der Metropolen auch noch einmal diskutiert werden sollte), in Russland aber, wo ein Gesetz seit 2013 positive Aussagen über...
Kein Wunder, dass die Landvermesserin aus Thomas Köcks Stück «dritte republik» sich fragt, warum sie nicht einfach in ihrem Bett liegengeblieben ist, statt diesen «hanebüchenen Auftrag» anzunehmen. Sie soll die Landesgrenzen neu vermessen. Aber das Schneegestöber, das ihr ohne Unterlass ins Gesicht bläst und das sie bald als «beschissensten aller Jahrhundertstürme»...
Aachen, Da Theater
17. Abuelaish, Ich werde nicht hassen
R. Ernst Konarek
Aachen, Grenzlandtheater
28. Delaporte und de La Patellière, Alles was Sie wollen
R. Stephan Thiel
Aachen, Theater
11. Vekemans, Momentum
R. Jenke Nordalm
17. Linder, Supergutman
R. Matthias Fuhrmeister
19. Jelinek, Am Königsweg
R. Christian von Treskow
Altenburg/Gera, TPT
27. Gogol, Der Revisor
...
