Darmstadt: Im Schleudersitz

nach Roberto Bolaño «2666»

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So betulich der Abend anhebt, mit versunkenen Fachgesprächen unter Literaturkritiker*innen, so abgedreht endet er: in einem eindringlichen Schwur auf die Azteken, die einer jungen Mexikanerin mehr bedeuten als Gott und Elternhaus.

Denn Roberto Bolaños tausendseitiger Monumentalroman «2666», postum 2004 erschienen, gleicht einer Geisterbahnfahrt: Im Schleudersitz durchquert er die Untiefen des Seins im Allgemeinen und der postkolonialen Gegenwart im Besonderen, er verspinnt in losen Fäden historische Ereignisse wie den Zweiten Weltkrieg mit den heutigen Tragödien an der mexikanisch-US-amerikanischen Grenze und schickt zwischen Nordeuropa und Südamerika zahlreiche Figuren ins Rennen um Liebe und Tod. 

Nach seinem Erscheinen wurde der Roman des chilenischen Autors mit Superlativen überhäuft. Dagegen stieß seine deutschsprachige Erstaufführung von Álex Rigola an der Berliner Schaubühne 2014 auf wenig Begeisterung, und natürlich stellt der Brocken eine unmögliche Aufgabe für Theaterschaffende dar. Allerdings können unmögliche Aufgaben auch ziemlich gut fürs Theater sein, wie die Regisseurin Claudia Bossard jetzt am Staatstheater Darmstadt in ihrem Folgestreich des so blutrünstigen wie ...

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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Esther Boldt

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