Oldenburg: «Jeder hier möchte nur glücklich sein»
«Vielleicht ist es woanders anders, aber bei uns nicht.» Das ist der zentrale Satz in Dmitri Sokolows «Russian Boy»: Möglicherweise ist eine schwule Coming-of-Age-Geschichte im Westen kein Aufreger mehr (wobei diese These abseits der Metropolen auch noch einmal diskutiert werden sollte), in Russland aber, wo ein Gesetz seit 2013 positive Aussagen über Homosexualität in Anwesenheit von Jugendlichen unter Strafe stellt, ist so etwas ein Politikum.
Sokolows schmales Stück, in dem der junge Artjom zum Schauspielstudium aus der Provinz nach Moskau zieht, in einer Gay-Sauna jobbt, sich verliebt und bald wieder entliebt, konnte bislang in Russland nicht gezeigt werden; die Uraufführung fand weit im Westen statt – am Oldenburger Staatstheater, durch die in der Ukraine geborene Regisseurin und Übersetzerin Elena Finkel.
Finkel hat Sokolows Text genau gelesen, das Theater erfindet sie allerdings nicht neu. Brav wird Artjoms Geschichte als Stationendrama erzählt, meist von einer allegorischen Figur namens «Das Leben», die bei Johannes Schumacher mit Duckface und ausrasierten blonden Locken wirkt wie aus einem schwulen 80er-Jahre-Porno entsprungen (aber womöglich ist auch das eine westliche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Falk Schreiber
Neues von der Alterskriminalität: 2017 ließ Dirk Laucke ein betagtes Pärchen «Bambule im Herbst» veranstalten, Einbruch und Entführung inklusive. 2018 verhökern nun zwei alternde Damen in Svenja Viola Bungartens Stück «Tot sind wir nicht» rezeptpflichtige Medikamente auf dem Schwarzmarkt. Mit dem Geld wollen sie nach Japan durchbrennen. Pikantes Detail: Eigentlich...
later that night
i held an atlas in my lap
ran my fingers across the whole world
and whispered
where does it hurt?
it answered
everywhere
everywhere
everywhere
warsan shire - what they did yesterday afternoon
es setzen über oder übersetzen
eine vertragsarbeiterin, die wieder aufgetaucht ist
ihre mutter, die zurückgekehrt ist
ihre tochter, am flughafen
ein vertragsarbeiter, ein...
Neue Stücke
Fritz Kater, entfernt bekannt mit Armin Petras, verarbeitet am Berliner Ensemble Gesagtes und Gelebtes von Heiner Müller zu «heiner 1 – 4». René Pollesch sinniert nebenan im Deutschen Theater über «Black Maria», ein geniales Rennpferd und das erste gebaute Filmstudio anno 1893. In der Schaubühne am Lehniner Platz wiederum inszeniert Marius von...
