Dann und wann ein Menschenopfer

Helmut Krausser «Eros», Esteve Soler «Gegen den Fortschritt»

Theater heute - Logo

Als er noch so mitten drin war im literarischen Leben Deutschlands, da war Helmut Krausser einer der pointierteren Rabauken, einer, der gern den Mund aufriss, Kritiker herwatschte und Riesenromane herausbrachte, in denen er entweder die paar Monate seines eigenen, gut abgefederten Berberlebens zur stilisierten Kunstform erhob oder mit romantischer und musiktheoretischer Intellektualität jeden Uni-Professor links überholte. Wer Zweifel an der ästhetischen Überlegenheit seiner Werke hatte, den belehrte er gern eines Besseren.


 

Und jetzt kommt die Regisseurin Christine Eder und dreht den Spieß um. 

Sie nimmt sich Kraussers Roman «Eros» vor, der vor drei Jahren erschienen ist und der mittels einer reichlich verqueren Liebesobsession gleich die ganze deutsche Geschichte von 1944 bis zur Gegenwart erzählt, und beschleunigt ihn rasant ins Münchner Volkstheater. Krausser räsoniert in dem Buch auch über das eigene Schreiben, Eder krempelt die Ärmel hoch und macht hochgradig evokatives, von konkreten Spielszenen durchwirktes episches Theater. 
 

Darum geht’s: Der märchenhaft   reiche Industrielle Alexander von Brücken, siech und am Ende seines Lebens angelangt, bestellt einen Schriftsteller ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2009
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Egbert Tholl

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Von selbst geht gar nichts»

Die einen sind verheiratet, die anderen sind neue Freunde. Die einen wohnen in Tübingen und leiten ein Theater, die anderen wohnen in Tübingen und leiten ein Theater. Das eine Theater ist groß, besteht seit 1945, hat seit dreißig Jahren ein eigenes Haus, muss aber trotzdem im Land herumreisen. Und ist eine Reise wert: Das majestätisch benannte Landestheater...

Gegenkritik: Barbara Mundel und Josef Mackert

Wenn sich im DFB-Pokal Regionalligisten mit Bundesligisten messen, sind diese Begegnungen meist die spannendsten und emotionalsten, und oft genug ist es nicht der Favorit, der den Applaus des Publikums und der Kritik erntet. Vor Begeisterung über ihre Auswahl trunkene Juroren hingegen, mit verlorenen Illusionen sich tapfer gegen «Frauen- und...

Jürgen Gosch – 9.9.1943–11.6.2009

Bemerkenswertes Theater, meinte Jürgen Gosch in einem Gespräch, sei ein fragiler Moment. Man kämpfe ja beim Inszenieren immer damit, die Sache wiederholbar, sie robust zu machen. Und das sei auch nötig: «Aber die Probenphase, bevor dieser Prozess einsetzt, ist mir die liebste. In der die Proben leichtsinniger sind. Bevor die Arbeiten anfangen, Beton zu werden.»...