Arschblau für immer
Es entbehrt nicht der Ironie, dass Dirk Lauckes jüngste Auftragswerke in besonders vorbildlichen westdeutschen Städten das Licht der Bühnenwelt erblicken. Das romantische Heidelberg mag eine Touristenfalle sein, an diesem Mai-Abend wirkt es wie ein Treffpunkt der Kulturen.
Und Osnabrück, das sich «Friedensstadt» nennt, als sei der Dreißigjährige Krieg erst gestern zu Ende gegangen, hat direkt neben das Emma-Theater einen Daniel-Libeskind-Bau gestellt, der dem in Auschwitz ermordeten Maler Felix Nussbaum gewidmet ist.
Als gälte es nun, Heidelberger und Osnabrücker daran zu erinnern, dass ihre adretten Gemeinwesen nur eine Seite der Medaille repräsentieren, entführt der 27-jährige Stückeschreiber sie in deutsche Milieus, deren Existenz noch nicht mal privatfernsehtauglich scheint. Zum Beispiel ins wahnhafte Kopfkino der ehemaligen Soldaten Richard und Maik, die halb versehentlich und doch alles andere als zufällig in einer Kneipe ein Geiseldrama entfachen. Oder ins historisch kontaminierte Umfeld von Opa Karlchen, der früher mal bei der SS war und heute abwechselnd von nebenverdienstwilligen Putzfrauen und aggressiven Antifa-Enkeln Besuch erhält.
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