Countdown zur Katastrophe
Man wartet ja immer auf das Stück zur Wende, zur Klimakatastrophe oder zum Terrorismus. Jetzt haben wir eins, und dafür ist es sogar ziemlich gut (nachzulesen auf den Seiten 68–81 in diesem Heft). Simon Stephens betritt den 7. Juli 2005, den Tag, als in London 52 Menschen durch Bombenanschläge in U-Bahnen und einem Bus starben, durch die Seitentür. Nicht die Täter stehen im Vordergrund, ihre inzwischen erschöpfend durchrecherchierten Lebensläufe, Motivkomplexe und sonstigen Hintergründe, und auch nicht die Opfer, obwohl die einen wie die anderen durchaus vorkommen.
Doch die Hauptrolle spielt etwas, das an diesem Tag ordentlich durcheinander gewirbelt wurde, aber trotzdem unzerstörbar bleibt: der Alltag.
Die große Bühne des Schauspiels Hannover beherrscht ein dreifaches Sinn-Bild, das sich wechselseitig die Luft aus der Bedeutung lässt. Muriel Gerstner hat Brueghels düsteren Turmbau zu Babel als bühnenweite Riesenrückwand aufgestellt und schwingt mit dieser London-Metapher erst einmal mächtig den alttestamentarischen Zeigefinger: die todgeweihte, gottverlorene Metropole in der schönsten Blüte ihrer Hybris kurz vor der totalen Sprachverwirrung. Allerdings ist das Gemälde bereits ...
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