Cornelia Fiedler: Dringlichkeit? Gefällt mir.
Mit einem bunten Strauß an schlechten Nachrichten eröffnet Joachim Lux das Körber Studio Junge Regie. Der Theaternachwuchs nimmt ihn im Foyer des Thalia in der Gaußstraße angemessen ungemütlich im Stehen entgegen: Die Kultur werde «sturmreif geschossen», diagnostiziert Lux mit Blick auf die niederländischen Sparexzesse und das gerade druckfrische Pamphlet «Kulturinfarkt». In Politik und Gesellschaft sieht der Thalia-Intendant das «Verständnis für das nicht Populäre, nicht an der Kasse Erfolgreiche schwinden».
Den Regiestudierenden, angereist von elf Regieschulen im deutschsprachigen Raum und aus Amsterdam, um ihre Abschluss-Inszenierungen zu zeigen, prophezeit Lux: «Vor euch liegt eine Zukunft, in der ihr die neue Elite der Kunstproduktion sein könnt – und möglicherweise zugleich das neue Prekariat.» Sprach’s und wünschte viel Vergnügen. Mögen die Spiele beginnen.
Morituri te salutant? Weit gefehlt. Wer sich heute für einen künstlerischen Studiengang entscheidet, weiß um die unsichere Lage der Zunft – und hoffentlich auch, warum er oder sie das dennoch tut. Mit seinem dystopischen Vorstoß eröffnet Lux trotzdem ein zentrales Diskussionsfeld des Festivals und des Regiestudiums an ...
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Theater heute Juni 2012
Rubrik: Regieausbildung, Seite 22
von Cornelia Fiedler
Franz Wille Selma Spahic, woher kommen Sie?
Selma Spahic Meine Eltern sind Bosniaken, und ich wurde 1986 in einer kleinen Stadt an der Grenze zwischen Bosnien und Serbien geboren. Foca war auch die erste Stadt, die bei Kriegsbeginn von der serbischen Armee besetzt worden ist. 1992 bin ich mit meinen Eltern erst nach Serbien, dann nach Kroatien geflohen. Drei Monate...
Wer auf den verschlungenen Treppenhaus-Wegen ins Atrium des Züricher Schiffbaus, der ersten Station von Frank Castorfs «Amerika»-Reise, achtlos an der Schüssel mit kostenlosen Ohrstöpseln vorbeigegangen ist, dürfte seinen Hochmut bald bereut haben. Oben angekommen, in einem riesigen, von drei Balkonetagen umrahmten Innenhof, wartet nicht nur das großzügig...
Auf Podien und Symposien rufen junge, progressive Dramatiker ja gern mal nach so konservativen Altlasten wie inszenatorischer Werktreue. Umso erfreulicher, dass jetzt für alle, die sich mit dieser Forderung bis dato nicht durchsetzen konnten, Abhilfe in Sicht scheint: Vieles deutet darauf hin, dass Theaterautoren ihr Problem schlagartig los wären, wenn sie einfach...
