Cooles Tollhaus Dasein
Das weltweite Geldgeflecht sowie das Welten bedeutende Geflecht zwischen Menschen – zwei Trusts sozusagen, die leicht implodieren und so das Dasein nicht eben gemütlicher machen. Diese nun schließen Falk Richter (Text, Regie) und Anouk van Dijk (Choreographie) auf raffinierte Art kurz. In ihrer geradezu unheimlich glamourösen Performance aus Rede- und Körperartistik namens «Trust» an der Schaubühne Berlin.
Es geht also um das triebhaft Zerstörerische unseres Daseins, das etwa in
Fondsmanagements oder in Glücks- und Liebesträumen virtuelle Werte schafft und reale Werte wie Bankkonten oder Paarverhältnisse vernichtet. Und es geht um die in uns allen glühende Wut auf dieses exzessiv kapitalistisch-individualistische System und unsere Sehnsucht nach dessen Überwindung, um den Wiedergewinn heilsamer Sicherheiten.
Richters Materialsammlung offeriert ein Leporello voller Exzentriker, Monomanen, Verlassener, Verlorener und Verkommener – lauter normale, verrückte, absurde zeitgenössische Ist-Zustände als bitter-komische Stand ups. Die fortgespielt werden in van Dijks faszinierenden, psycho-illustrativen Bewegungsaktionen auf dem mal verführerisch flauschigen, mal verletzend stahlharten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2010
Rubrik: Theatertreffen: Was fehlt?, Seite 23
von Reinhard Wengierek
Aachen, Grenzlandtheater
Kasse: 00 41/1/261 21 79
22. von Kürthy, Mondscheintarif
R. Ulf Dietrich
Aachen, Theater
Kasse: 0241/47 84 244
14. Williams, Die Glasmenagerie
R. Bernadette Sonnenbichler
22. Tabori, Mein Kampf
R. Ewa Teilmans
Aalen, Theater der Stadt
Kasse: 07361/522 600
2. Schimmelpfennig, Idomeneus
R. Ingmar Otto
8. Brecht, Die heilige Johanna der Schlachthöfe
R....
Drei Mörder-Ratten lehnen an der Reling eines Vergnügungsdampfers, und sie werden ganze Arbeit leisten: Kein Angestellter und auch kein Chef verlässt lebend diese Betriebsfeier! Das Thema Arbeit musste auf dem Theater schon lange einmal konsequent zu Ende gedacht werden. Spätestens seit Horváth hängt der Verlust des Arbeitsplatzes als Damoklesschwert über...
Welch eine Verheißung: «Sie müssen das, was Sie lieben, nicht mehr selber machen. Hier geht es» – denn was ist Gefühlsproduktion schließlich anderes als harte Wertschöpfungsmaloche – «um Arbeitserleichterung!» An die Formulierung derart revolutionärer Utopien hat sich das Theater mindestens seit Brecht nicht mehr gewagt!
Im Ernst: René Polleschs «interpassive»...
