Cooles Tollhaus Dasein
Das weltweite Geldgeflecht sowie das Welten bedeutende Geflecht zwischen Menschen – zwei Trusts sozusagen, die leicht implodieren und so das Dasein nicht eben gemütlicher machen. Diese nun schließen Falk Richter (Text, Regie) und Anouk van Dijk (Choreographie) auf raffinierte Art kurz. In ihrer geradezu unheimlich glamourösen Performance aus Rede- und Körperartistik namens «Trust» an der Schaubühne Berlin.
Es geht also um das triebhaft Zerstörerische unseres Daseins, das etwa in
Fondsmanagements oder in Glücks- und Liebesträumen virtuelle Werte schafft und reale Werte wie Bankkonten oder Paarverhältnisse vernichtet. Und es geht um die in uns allen glühende Wut auf dieses exzessiv kapitalistisch-individualistische System und unsere Sehnsucht nach dessen Überwindung, um den Wiedergewinn heilsamer Sicherheiten.
Richters Materialsammlung offeriert ein Leporello voller Exzentriker, Monomanen, Verlassener, Verlorener und Verkommener – lauter normale, verrückte, absurde zeitgenössische Ist-Zustände als bitter-komische Stand ups. Die fortgespielt werden in van Dijks faszinierenden, psycho-illustrativen Bewegungsaktionen auf dem mal verführerisch flauschigen, mal verletzend stahlharten ...
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Theater heute Mai 2010
Rubrik: Theatertreffen: Was fehlt?, Seite 23
von Reinhard Wengierek
Die Truppe, die da ihren Feierabend auf einem Kreativität simulierenden Tapeziertisch im Hamburger Thalia Theater abhockt, könnte direkt von einem Ayurveda-Kurs aus Berlin-Prenzlauer Berg weggecastet sein. Wie in einem Standbild eingefroren, schauen die Anzug-, Goldfummel- und Blumenkleidträger/innen erst mal minutenlang stumm ins Publikum. Einzig die stehende...
So wollte man die teutschen Recken immer schon mal sehen: Filzige Gestalten mit langen ungewaschenen Haaren, die tumb in feuchten Wäldern oder untermöblierten Burgen hausen und sich in der Erfrischungspause hinterrücks den Speer ins Kreuz bohren. Held Siegfried (Peter Moltzen) streckt den Bierbauch vor und fällt durch üble Angeberei und eine penetrante Lache auf....
Was für eine seltsame, singuläre Karriere, die sich da zwischen den Theatern von Kassel oder Oberhausen, Berlin und Hamburg, den Opern von Amsterdam oder Paris und Filmretrospektiven in Locarno, Rom und New York bewegt hat!
Werner Schroeter war von Beginn an und blieb bis zuletzt ein Sonderfall – als Filmemacher des deutschen Autorenkinos, als Bühnenregisseur des...
