Von den Füßen auf den Kopf
Kaum einer bürstet derzeit das gute alte wellmade play so ausdauernd und radikal gegen den Strich wie der britische Dramatiker Dennis Kelly. Von vorne nach hinten erzählen – gut und schön, aber warum nicht mal von hinten nach vorn wie in «Liebe und Geld»? Dokumentarische Techniken einbauen durch Interviews und Recherche – sicher, ein Klassiker der modernen Dramentechnik.
Aber warum nicht mal unauffällig ein Dokustück faken und schauen, was in «Taking Care of Baby» («Kindersorgen»,abgedruckt in TH 3/09) so passiert? Die Stücke des 40-jährigen Kelly basieren oft auf gar nicht mal so komplizierten formalen Kniffen, die jedoch den Blick auf ihr Mittelschichtspersonal auf den Kopf stellen. Und das kann der Mittelschicht, die schließlich selbst im Publikum sitzt, nicht schaden.
Hat sie oder hat sie nicht?
In «Kindersorgen» spielt Kelly auf ziemlich perfide Weise mit jener Mischung aus Neugier und Empörung, die den durchschnittlichen Mediennutzer befällt, wenn er von Fällen wie dem der Donna McAuliffe erfährt. Binnen kurzer Zeit hat die junge Mutter ihre zwei kleinen Kinder verloren. Die Polizei sperrt sie als Mordverdächtige ins Gefängnis, doch das Gericht spricht sie mangels Beweisen ...
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