Best of Worst-of
Welch eine Verheißung: «Sie müssen das, was Sie lieben, nicht mehr selber machen.
Hier geht es» – denn was ist Gefühlsproduktion schließlich anderes als harte Wertschöpfungsmaloche – «um Arbeitserleichterung!» An die Formulierung derart revolutionärer Utopien hat sich das Theater mindestens seit Brecht nicht mehr gewagt!
Im Ernst: René Polleschs «interpassive» Feierstunde, die unter theoretischer Patenschaft von Robert Pfaller bis Jean-Luc Nancy die Genuss-Delegation als ultimative Entlastungsmaßnahme empfiehlt und klebrige Empathie-Behauptungen mit sozialen Differenz-Alternativen auskontert, hat durchaus Streitbarkeitspotenzial. Darüber, ob die lustige Attacke gegen den «jahrzehntelangen Terror des interaktiven Theaters» über ein bloßes Best-of-Pollesch hinausgeht, ist auf der Premierenparty genauso viel debattiert worden wie über den Reibungsmehrwert, den der grandiose Allein-Antiunterhalter Fabian Hinrichs dem Pollesch-Sound mit seiner neuartigen Mixtur aus Märchenonkel- und Predigerton abgewinnt.
Aber abgesehen davon, dass sich Streitbarkeit angesichts des steigenden Wellness-Trends bald schon zum «bemerkenswerten» Alleinstellungsmerkmal per se mausern dürfte und zudem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Gefolge der Nobelpreisverleihung an die rumäniendeutsche Autorin Herta Müller wurde auch über die Kopfgelder berichtet, mit denen die Bundesregierung über Jahrzehnte dem rumänischen Staat Bürger abkaufte – und half, die Ceaucescu-Diktatur aufrecht zu erhalten. Die rumänische Theatermacherin Gianina Cãrbunariu interviewt nun Siebenbürger Sachsen und Banater...
Drei Mörder-Ratten lehnen an der Reling eines Vergnügungsdampfers, und sie werden ganze Arbeit leisten: Kein Angestellter und auch kein Chef verlässt lebend diese Betriebsfeier! Das Thema Arbeit musste auf dem Theater schon lange einmal konsequent zu Ende gedacht werden. Spätestens seit Horváth hängt der Verlust des Arbeitsplatzes als Damoklesschwert über...
Das Leben ist wie ein Buster-Keaton-Film: brutal, todtraurig, verlogen, verzweifelt und komisch. Siegfried Kracauer sagte einst über diesen kleinen, schmalen Mann mit dem stoischen Gesichtsausdruck, er habe seine Beziehung zum Le-ben verloren. «Die vielen Gegenstände: Apparate, Baumstämme und Menschenkörper veranstalten ein Kesseltreiben mit ihm, er kennt sich...
