Clash der Wohlwollenden
Bekenntnisse in XXL sind eine Kölner Spezialität: Zum 10. Jahrestag des Nagelbomben-Attentats durch den «Nationalsozialistischen Untergrund» steigt hier ein Festival mit 150 Konzerten, Lesungen, Diskussionen und Vorträgen, Bundespräsident und Sonderbriefmarke inklusive: «Birlikte – Zusammenstehen» lautet das türkisch-deutsche Motto.
«Jetzt wird gefeiert ... aber was passiert am Dienstagmorgen, am Mittwoch? Oder in einem Jahr?», fragt Ayfer Sentürk Demir mit leiser, eindringlicher Stimme.
Freundlich, aber wenig zuversichtlich lässt sie den Blick über die Zuschauerreihen des «Depot 2» schweifen. 50 Meter sind es von hier zum Ort des Anschlags, den sie 2004 aus nächster Nähe erlebte. Zusammen mit drei Schauspielern und zwei Anwohnern aus der Keupstraße – dem Geschäftsmann Ismet Büyük und Kutlu Yurtseven, Sänger der Hiphop-Band Microphone Mafia – steht sie nun in Nuran David Calis’ «Die Lücke» auf der Bühne.
Die Uraufführung eröffnet das Birlikte-Festival. Doch die dokumentarische Kollage, die Auszüge der reißerischen Medienberichte, Untersuchungsausschuss- und Prozessprotokolle mit der Perspektive der Betroffenen kontrastiert, erzählt eine andere Geschichte: Jahrelang wurden ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Chronik: Köln, Seite 66
von Cornelia Fiedler
Gott ist nicht tot. Nur einfach nicht da. Stattdessen ragt ein Kran von einer mehrstöckigen Plattform krakenhaft ins Nirgendwo. Das Studierzimmer: eine Schmuddelecke mit Waschbecken, und auch sonst hat sich einiges verändert im meistzitierten deutschen Drama, und das mit Recht, versteht sich, «denn alles, was entsteht/Ist wert, dass es zugrunde geht …» etc. pp....
Aachen, Theater
18.9. Zeller, Kaspar Häuser Meer
R. Marion Schneider-Bast
26.9. Vekemans, Gift. Eine Ehegeschichte
R. Ludger Engels
27.9. Kafka, Der Prozess
R. Christian von Treskow
Altenburg, TPT
25.9. Wodin/Hilbig, Nachtgeschwister
R. Anja Schneider
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
10.8. Bludau nach May, Winnetou 1
R. Urs Schleiff
Augsburg, Theater
19.9. Die Banditen...
Ist die in ihr Erdloch hineinwachsende, zunehmend bewegungsloser werdende Winnie aus Becketts «Glückliche Tage» nicht eine durchweg überlebte Figur? Und ihre stillstehende Welt, in der sie unerschütterlich optimistisch mit Zahnpastatube, Nagelfeile und Regenschirm gegen Nichtstun und Eintönigkeit kämpft, in Anbetracht von Rastlosigkeit und Reizüberflutung im...
