Remember me
Die diesjährigen Theaterformen beginnen mit einer russisch-lettischen Konterrevolution, und auch die Schauspiel-Inszenierungen stellen eine ziemlich radikale Kehrtwende dar. Da haben wir uns jahrelang mit den Theaterformen der scheidenden Festspielleiterin Anja Dirks auf Audio-Walks und rudimentäre Theaterbühnen im öffentlichen Raum begeben, haben verlassene Expo-Pavillons erklommen und in Schaufenstern gesessen, um jetzt mit «Dunkle Alleen» einen Schauspielabend zu entdecken, der so klassisches Schauspieler-Theater zeigt, dass es fast schon wieder eine Provokation darstellt.
Geschichten über die Liebe hat der russische Nobelpreisträger Ivan Bunin geschrieben, Geschichten, die ziemlich eindeutig in einem vorrevolutionären Russland verortet sind, in dem Klassenschranken noch etwas ausmachten und bei einem Skandal nur die schnelle Flucht nach Moskau half. Wenn hier der Adelige im strömenden Regen das Dienstmädchen nimmt, spielt der lettische Regiestar Vladislavs Nastavševs auf der ansonsten komplett leeren Studiobühne Regen ein, wenn der verlassene Liebhaber seine Geliebte erschießt, muss die Tote von Bühnenarbeitern ins Off geschleppt werden. Mehr Bühnen-Realimus war selten als in ...
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Theater heute August-September 2014
Rubrik: Magazin: Festival, Seite 75
von Alexander Kohlmann
Sie tanzt. Gefühlt hundert Mal wird das Bild von Daniela Keckeis auf die Leinwände oberhalb der Bühne projiziert, auf der die Schauspielerin eine 1930er Cabaret-Nummer in ebensolchem Kostüm hinlegt und schließlich ihren Körper in schönster Wuttke-Manier zum Hakenkreuz formt. Unten singt sie dazu als Marianne Hoppe in einem von Silke Bauer installierten Kasten einen...
Hier entspannt Karl Kraus, der Autor der «Letzten Tage der Menschheit», die 100 Jahre nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs zahlreiche Premierentage erleben dürfen. In Salzburg inszeniert statt Matthias Hartmann, der im Januar überraschend seine letzten Tage als Burgtheaterdirektor erleben musste, Georg Schmiedleitner.
«Die lächerliche Finsternis» hat Wolfram...
Am reinen Toren Parzival hat Tankred Dorst einen Narren gefressen. Immer wieder hat er sich mit dem mittelalterlichen Anti-Helden beschäftigt, unter anderem in «Merlin» und der Erzählung «Der nackte Mann». 1987 schließlich hat Dorst für eine Robert-Wilson-Inszenierung am Thalia Theater ein «Parzival»-Szenarium geliefert, das «nicht als festgefügtes Stück, sondern...
