Chemnitz: Pointe vs. Prosa
Beim Chemnitzer Wettbewerb für Nachwuchsdramatik machte in diesem Jahr eine Geschichte um Liebe mit Aliens das Rennen. «Rauschen. Oder: Wenn du nicht existierst, geh mir bitte aus dem Licht. Danke», so der komplette Titel, den Natalie Baudy sich für ihren Text ausgesucht hat und der über weite Strecken eher an eine Kurzgeschichte erinnert.
Im Mittelpunkt stehen drei Außerirdische, die irgendwie auf der Erde gelandet sind und schnell vom merkwürdigen Leben der Stadtbewohner absorbiert werden.
Zwei von ihnen starten, nachdem sie in einem Hotelzimmer ihre Unterkunft aufgeschlagen haben, unter der Anleitung einer leicht betrunkenen Frau mit einer Karriere als Porno-Synchronstimmen durch: unsichtbar und erfolgreich, aber zugleich maximal entfremdet. Das dritte Alien kommt in einer Studenten-WG unter, die es zunächst ignoriert, dann integriert, schließlich aber doch lieber heute als morgen abschieben will, weil es an den Smartphones der Mitbewohner herumknabbert. Schließlich endet die Expedition Erde wie bei Steven Spielbergs «E.T.» mit einer Rückkehr ins All. Eingeschobene Chor-Monologe, etwa vom Chor der futuristischen Bilderexpertinnen, komplettieren das Werk.
Der Start ist schön ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
«Ich habe dieses Buch schneller als irgendein anderes geschrieben: & es ist ein einziger Witz; & doch heiter & schnell lesbar, glaube ich; Ferien eines Schriftstellers», schrieb Virginia Woolf im März 1928 in ihr Tagebuch, kurz nachdem sie «Orlando» beendet hatte. Ein einziger Witz – diese Formulierung könnte auch Katie Mitchell in ihrer Inszenierung an der...
Von dieser Seite droht nichts Neues. Das Festival von Avignon in seiner 73. Ausgabe zeigt geradezu exemplarisch das Debakel einer arrivierten, institutionell etablierten, selbstgefälligen Linken in Frankreich. «Il faut réinventer la gauche», werden die soziologischen Revolutionäre um Didier Eribon, Edouard Louis, Geoffroy de Lagasnerie nicht müde zu rufen: Man muss...
Orhan Pamuk war nicht da. Dabei hätte ihm das meiste von dem, was es hier zu bestaunen gab, sicher gefallen: diese nützlichen und weniger nützlichen objets trouvés, die Liebesgeschichten, die sich aus den Gegenständen herausschälten, der Nippeskram – er hätte all das sehr gut gebrauchen können für sein Istanbuler «Museum der Unschuld». Wobei das mit der Unschuld...
