Bühnendämmerung
Die Theater, Konzerthäuser und Museen der Metropole, tragende Säulen ihrer in beträchtlichem Umfang vom Tourismus beflügelten wirtschaftlichen Prosperität, mussten den Spielbetrieb über Nacht auf Null herunterfahren. Die Metropolitan Opera ist bereits seit Mitte März dicht. Kurz darauf folgten die 41 Broadway-Theater, die zunächst noch versucht hatten, das Publikum mit drastisch reduzierten Eintrittspreisen zum Besuch zu animieren. Anfang Mai hatten bereits 12.000 Menschen, die an New Yorks Bühnen arbeiten, ihren Job verloren. Die Schließungen sollen vorerst bis zum 7.
Juni gelten, aber kaum jemand glaubt daran, dass sich die Türen danach wieder öffnen. Seit dem 22. März dürfen in New York nur noch so genannte «systemrelevante» Unternehmen den Betrieb aufrechterhalten. Theater, Tanzbühnen, Konzertsäle, Kinos usw. gehören nicht dazu.
Viele Künstler stehen vor dem Ruin. Staatliche Unterstützung in Form von Rettungsfonds oder Notkrediten wie in Europa kann kaum eine Kultureinrichtung erwarten. Eine künstlerisch ambitionierte Off-Broadway-Company wie das renommierte Public Theater zum Beispiel beziffert die bis Ende August auflaufenden Verluste auf mindestens 20 Millionen Dollar. ...
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Theater heute Juni 2020
Rubrik: Szene Corona, Seite 8
von David Shengold, Albrecht Thiemann
Und wer einmal Blut geleckt hat im Theater, der kann ohne Theater nicht mehr existieren.» So zitiert die Hauswirtschafterin Frau Zittel den verstorbenen Professor Schuster in Thomas Bernhards «Heldenplatz». Als Psychiater und Stressforscher weiß ich: Das Theater hält uns als Gesellschaft seelisch gesund. Theater ist ein Antidot gegen Stress.
Tagsüber behandle ich...
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