Berlin: Leerstellen im Nebel
Er war der alte Meister der Grantigkeiten, des Weltekels, der Österreich-Beschimpfung: Thomas Bernhard. Thom Luz ist der menschenfreundliche Poet der musikalischen Melancholie, des Schwebens, Zirpens, Abhebens. Das deutsche Theater hat beide zusammengebracht, im von Thom Luz und Wolfgang Menardi hingehauchten Borbonen-Saal des Wiener Kunsthistorischen Museums, wo Thomas Bernard in seinem Roman «Alte Meister.
Eine Komödie» den Kunstkritiker und «Privatphilosophen» Reger 30 Jahre lang jeden Tag außer Montag (da ist das Museum geschlossen) vor Tintorettos «Weißbärtigem Mann» platziert, eine «Gewohnheit zum Überleben».
Ein nebeldurchwehter Nicht-Raum, eine leere Stelle bleibt die Bühne der Kammerspiele lange. An der Rampe, den Blick in den Bühnen-Nebel gerichtet, steht eine karge Museumsbank. Auf ihr erstmal nur: der Abdruck eines Hinterns, Regers Leerstelle. Sie wird sich den ganzen Abend nicht füllen. Zum leisen, langsamen Klimpern vom Klavier rechts, an dem Daniele Pintaudi in Variationen Anton Bruckners «Steiermärker» in die Endlosschleife dudelt, als wolle er uns zu Bruckner-Hassern machen, wie Bernhards Reger es ist, nimmt irgendwann ein zartes Gespenst auf dem Polster neben ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2018
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Barbara Burckhardt
Pläne der Redaktion
Johan Simons packt wieder an: Vier Jahre nach seinem Abschied von den Münchner Kammerspielen übernimmt der 72-Jährige das traditionsreiche, aber zuletzt wenig glückliche Schauspiel Bochum.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben: Der schon für dieses Heft geplante Aufsatz über Theaterarchitektur als gebaute Ideologie.
Von wegen Gott ist tot. In El...
Für die Bewohner von Stadtland ist das Tram 83 Sehnsuchtsort und Sündenpfuhl, Hölle und Paradies zugleich. In dem Nachtclub kommen Gauner und Prostituierte, Minenarbeiter und Studenten, einheimische Warlords und ausländische Geschäftsleute zusammen. Sie werden vom Beat wilder Jazzbands in Stimmung gebracht und von missmutigen Kellnerinnen bedient, sie vögeln auf...
Neue Stücke
Die Wechselfälle des Todes faszinieren Dramatiker im November. In Clemens Setz’ «Die Abweichungen» wird die Putzhilfe Frau Jassem tot in ihrer Besenkammer gefunden, Selbstmord. Hätte sie sich nicht umgebracht, wäre sie aber auch nicht die Künstlerin geworden, als die sie nach ihrem Ableben und hoffentlich auch am Schauspiel Stuttgart entdeckt wird. In...
