Buch: Liebe zum Dreck
Bevor die Zivilisation an menschlicher Dummheit untergeht, verträgt sie wenigstens ein paar kräftige Sprüche. «Die alte Welt ist morsch, sie kracht in allen Fugen. Ich will helfen, sie kaputtzumachen!» Oder ein schönes Gedicht: «Schlaf, kleine Erde, schlaf schön bald / Bist erst fünf Milliarden Jahre alt. / Jetzt spielen böse Jungs mit deinen Kräften / experimentieren mit deinen Säften / Und es kann passieren / dass wir alle explodieren.» Wirkt wahnsinnig aktuell. Ist aber von Valeska Gert.
So kommentierte die tanzende Universalkünstlerin in ihrer heiligen Unangepasstheit die brutalen Umbrüche ihrer Zeit. Oder prophezeite die Folgen der blinden Technikgläubigkeit der Nachkriegszeit.
Die selbsternannte «Hexe» brachte es tatsächlich auch fertig, die «Hexe von Buchenwald», die unfassbar brutale KZ-Aufseherin Ilse Koch, in ihrem Kabarett «Hexenküche» in Berlin als Fratze des deutschen Horrors zu spielen, obwohl von ihrer eigenen Familie niemand das Nazi-Regime überlebt hatte – außer ihr und ihrem Bruder, der ebenfalls in die USA emigiriert war. «Ich bin nicht normal», sagte Valeska Gert über sich. Das stimmt. Und deswegen ist es so inspirierend, die Memoiren dieser tabulosen Frau ...
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Theater heute Februar 2020
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Till Briegleb
Aufführungen
In Basel widmet sich Stefan Bachmann dem Amoklauf eines Staatsanwalts zwischen Befreiungsheld und Despotie: «Graf Öderland». Bei Michael Thalheimer im Berliner Ensemble laufen dagegen die «Gastarbeiter»-Feindbilder des Wirtschaftswunders Amok: Rainer Werner Fassbinders «Katzelmacher». Nebenan im Maxim Gorki will Christian Weise mit Shakespeares...
Die Mutter war Krankenschwester und stolze SED-Genossin in Ostberlin, die sich in einen Mann verliebt, der noch vor der Geburt seines Sohns in den Westen verschwindet und sich später als alter Nazi erweist. Als sie ihm nach Jahren in einer abenteuerlichen Republikflucht endlich folgt, muss sie feststellen, dass er längst mit einer anderen verheiratet ist. So bleibt...
Das sagt man gerne so dahin: Beim Geld höre die Freundschaft auf. Für Resi, Mitte 40, ist der Spruch aber bittere Realität geworden. Die Ich-Erzählerin aus Anke Stellings Roman «Schäfchen im Trockenen» wird mit ihrem Künstler-Mann und den vier Kindern von Kumpel Frank schlichtweg vor die Tür gesetzt. Untermietvertrag gekündigt! Rache ist bekanntlich süß. Die...
