Bröckelnde Helden

Lothar Trolle «Das Hildebrandslied»

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Mit Helden ist das so eine Sache.
Ei­nerseits gilt das Verhältnis zu ihnen hierzulande als gespalten. Be­son­ders, wenn es sich um die germanische Variante dieses Rollenmodells handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass die germanischen Sagen heute nicht mehr unbedingt zum Wissenskanon zählen.

Oder weiß jemand etwa, wer Hildebrand und Hadubrand waren? Weiß jemand noch, dass die Stadt Bern, aus der Hildebrands jugend­­licher Dienstherr Dietrich kam, nicht in der Schweiz, sondern in Italien liegt und heute Verona heißt?
Und was soll man in der Zeit familienministerieller Versuche, Väter ans Babybett zu locken, von einem Va­­ter halten, der kurz nach der Geburt seines Sohnes in den Krieg zieht und erst dreißig Jahre später wiederkommt? So geschieht es nämlich im Hilde­brands­­lied, einer der ältesten deutschen Dichtungen, die vom Lehrer und Waffenmeister des sagenumwobenen ostgotischen Königs Theoderich alias Diet­rich von Bern und Hildebrands Sohn Hadubrand erzählt. Und so steht nach dreißig Jahren plötzlich der junge Sohn dem alten, heimgekehrten Vater ge­gen­über: Mann gegen Mann und Heer gegen Heer. Vater Hildebrand versucht noch, sich dem Sohn zu erkennen zu geben, was der jedoch für ...

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Theater heute Juli 2006
Rubrik: Chronik, Seite 42
von Esther Slevogt

Vergriffen
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