Bröckelnde Helden
Mit Helden ist das so eine Sache.
Einerseits gilt das Verhältnis zu ihnen hierzulande als gespalten. Besonders, wenn es sich um die germanische Variante dieses Rollenmodells handelt. Erschwerend kommt hinzu, dass die germanischen Sagen heute nicht mehr unbedingt zum Wissenskanon zählen.
Oder weiß jemand etwa, wer Hildebrand und Hadubrand waren? Weiß jemand noch, dass die Stadt Bern, aus der Hildebrands jugendlicher Dienstherr Dietrich kam, nicht in der Schweiz, sondern in Italien liegt und heute Verona heißt?
Und was soll man in der Zeit familienministerieller Versuche, Väter ans Babybett zu locken, von einem Vater halten, der kurz nach der Geburt seines Sohnes in den Krieg zieht und erst dreißig Jahre später wiederkommt? So geschieht es nämlich im Hildebrandslied, einer der ältesten deutschen Dichtungen, die vom Lehrer und Waffenmeister des sagenumwobenen ostgotischen Königs Theoderich alias Dietrich von Bern und Hildebrands Sohn Hadubrand erzählt. Und so steht nach dreißig Jahren plötzlich der junge Sohn dem alten, heimgekehrten Vater gegenüber: Mann gegen Mann und Heer gegen Heer. Vater Hildebrand versucht noch, sich dem Sohn zu erkennen zu geben, was der jedoch für ...
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Sie möblieren sich ihre Verzweiflung mit einer gemütlichen, potthässlichen Eckcouch-Garnitur, tänzeln am Abgrund ihrer Existenz verzweifelt leichtfüßig wie Hochseil-Akrobaten, sie bewältigen ihre (im Knast) abgesessene Vergangenheit im Schluckspecht-Tempo und betrügen sich mit grellen Wunschvorstellungen um ihre Zukunft – sie sind überhaupt ein paar ganz tolle...
Das Meer ist unergründlich und endlos weit, tosend, wild und unberechenbar: auch in Jon Fosses Theaterstück «Sommertag». Auf drei dominanten Prospekten hat Monika Gora (Bühne) es eingefangen, auf denen die Grenze zwischen Horizont und Himmelswolken verwischt. Im Vordergrund ein paar weiße Bretter in schiefer Bahn und ein blaugraues, wellengemustertes Sofa. Der...
Auf der Bühne herrscht beträchtlicher Verkehr. Mit Graffiti übersäte Kübelwagen rumpeln ihre Runden, spacke Superhelden in prallengen Kostümen schwirren durchs Terrain, viel Volk und Sänger purzeln die Treppen des Bühnenbildes rauf und runter. Unten am Bühnenrand parken trojanische Pferde, und die Nerven des Publikums werden von Maschinenpistolengarben zerrüttet,...
