Foto: Martina Siebenhandl
Brigitte Fürle
Von solchen Freunden beziehungsweise Freundinnen hätte der Tanz gerne mehr. Seit 2013 leitet Brigitte Fürle die künstlerischen Geschicke des Festspielhauses St. Pölten. Seither geben sich hier die Größen der internationalen Szenen die Klinke in die Hand, für Auftritte und Residenzen. Fürle koproduziert Hofesh Shechter, Israel Galván, Lemi Ponifasio. Sie bietet den Künstlern Arbeitsaufenthalte an und fordert so die choreografische Vormachtstellung des benachbarten Wien heraus.
Gleich zwei der großen Tanzproduktionen des «Festival d’Avignon 2017», «La Fiesta» von Israel Galván und «Standing in Time» von Lemi Ponifasio, feierten am Festspielhaus ihre Uraufführung. Weitere Koproduktionen in Fürles Portfolio sind «Kreatur», das neue Stück von Sasha Waltz, und «Xenos», das neue Solo von Akram Khan. So ist Nieder-österreichs Landeshauptstadt eine Drehscheibe der Tanzszene. Doch die wenigsten wissen das, außer dem lokalen Publikum, den Wienern und den Künstlern selbst. Wer nimmt in Avignon schon wahr, dass Galváns und Ponifasios Kreationen den Stempel St. Pölten tragen? Im Schatten der Großstadt ist die Aufmerksamkeit naturgemäß geringer als in deren Zentrum. Daran wird auch diese Würdigung nichts ändern. Aber es sei damit, stellvertretend für die Künstler, doch einmal gesagt: «Chapeau!»
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 175
von Thomas Hahn
In seinem Essay «Warum Klassiker lesen?» definiert der italienische Schriftsteller Italo Calvino jene Werke als «Klassiker», die sich aufgrund ihrer spezifischen Relevanz entweder als unvergesslich erweisen, oder die, aus den Tiefen des Gedächtnisses geborgen, als Äußerungen des kollektiven Unbewussten zutage treten. Calvino bezieht sich freilich auf die Literatur; seine Ausführungen...
Die Eigenschaft zu leuchten hat Hellerau bis heute behalten – mythischer Ort mit magischer Aura über ein ganzes Jahrhundert hinweg. Hellerau, die Gartenstadt ebenso wie ihr Zentrum, die dem Rhythmus geweihte «Bildungsanstalt Jaques-Dalcroze», leuchtete – um Thomas Manns 1902 ersonnenes, geflügeltes Wort über München abzuwandeln. Und das tat Hellerau selbst im schlimmsten Abschnitt seiner...
So lange sich Kunst – in unserem Fall Tanz und Performance – an jemanden richten soll, lebt sie in der Beziehung zu einem Anderen, der oder die erst die Intention des Kunstwerks vervollständigt. Die gegenwärtige Theater-Szene behauptet sich noch immer als ein Ort, wo Kommunikation, zumindest überwiegend, noch möglich ist. Welche alternativen Narrative oder Bilder können also Tanz und...
