Foto: Martina Siebenhandl
Brigitte Fürle
Von solchen Freunden beziehungsweise Freundinnen hätte der Tanz gerne mehr. Seit 2013 leitet Brigitte Fürle die künstlerischen Geschicke des Festspielhauses St. Pölten. Seither geben sich hier die Größen der internationalen Szenen die Klinke in die Hand, für Auftritte und Residenzen. Fürle koproduziert Hofesh Shechter, Israel Galván, Lemi Ponifasio. Sie bietet den Künstlern Arbeitsaufenthalte an und fordert so die choreografische Vormachtstellung des benachbarten Wien heraus.
Gleich zwei der großen Tanzproduktionen des «Festival d’Avignon 2017», «La Fiesta» von Israel Galván und «Standing in Time» von Lemi Ponifasio, feierten am Festspielhaus ihre Uraufführung. Weitere Koproduktionen in Fürles Portfolio sind «Kreatur», das neue Stück von Sasha Waltz, und «Xenos», das neue Solo von Akram Khan. So ist Nieder-österreichs Landeshauptstadt eine Drehscheibe der Tanzszene. Doch die wenigsten wissen das, außer dem lokalen Publikum, den Wienern und den Künstlern selbst. Wer nimmt in Avignon schon wahr, dass Galváns und Ponifasios Kreationen den Stempel St. Pölten tragen? Im Schatten der Großstadt ist die Aufmerksamkeit naturgemäß geringer als in deren Zentrum. Daran wird auch diese Würdigung nichts ändern. Aber es sei damit, stellvertretend für die Künstler, doch einmal gesagt: «Chapeau!»
Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Hoffnungsträger, Seite 175
von Thomas Hahn
Berlin, 6. Juli 2017
Lieber Tanz,
in den letzten Jahren haben wir dir so viele Briefe geschrieben, und noch immer antwortest du nicht. Wir warten darauf wohlwissend, dass Schreiben nicht so dein Ding ist. In der Zwischenzeit werden wir die Menschen weiterhin bitten, dich anzuschreiben, um dir zu sagen, was ihnen wichtig ist in Bezug auf dich, wie sie mit dir leben oder ohne dich. Über 500...
Den Tanz der Zukunft gibt es nur noch im Plural. Es ist ein Tanz der Vielen, und er findet an Orten statt, die Vielheit und Teilhabe garantieren.
Diese Orte werden von Menschen geleitet, denen bewusst ist, dass die Tanzkunst immer vielfältiger und größer ist als sie selbst. Kuratorische Egoismen haben darin keinen Platz mehr.
Der Tanz der Zukunft kommt wieder mehr aus der Hüfte und ist...
An einem lauen, fast noch sommerlichen Abend im September 2014 versammeln sich Zuschauer und Zuschauerinnen vor einer runden Holzkonstruktion, die nächst dem ehemaligen Schwimmbad auf dem Monte Verità liegt. Nachdem alle Einlass erhalten und sich auf die Holzbänke gesetzt haben, werden Wolldecken und Mückenspray verteilt. Auf dem Programm steht das von Dorothée Thébert Filliger und...
