Der Tanz der Zukunft
Den Tanz der Zukunft gibt es nur noch im Plural. Es ist ein Tanz der Vielen, und er findet an Orten statt, die Vielheit und Teilhabe garantieren.
Diese Orte werden von Menschen geleitet, denen bewusst ist, dass die Tanzkunst immer vielfältiger und größer ist als sie selbst. Kuratorische Egoismen haben darin keinen Platz mehr.
Der Tanz der Zukunft kommt wieder mehr aus der Hüfte und ist viel weniger weiß.
Neu und alt sind darin nur noch Aussagen über zeitliche Abfolgen und stellen kein Werturteil mehr dar.
Die verschiedenen Ästhetiken kommunizieren miteinander wie Elementarteilchen. Sie werden voneinander angezogen, stoßen sich ab oder gehen ineinander auf. Aber sie werden nie zu Waffen im Diskurs.
Die Generationen arbeiten altersübergreifend zusammen. Das Verhältnis der Generationen selbst wird zum Thema. Es gibt keine Nachwuchsförderung und keine Mentoring-Programme mehr. Wenn jemand etwas wissen will, fragt er/sie einfach.
Begriffe wie Starchoreograf oder Extremperformer sind gänzlich unbekannt.
Die Worte radikal und Kunst können nicht mehr in einen sinnvollen Zusammenhang gebracht werden. Innovation gibt es nur noch im HiFi-Markt. Dort arbeiten die letzten Genies.
Die Stücke sind ...
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Tanz Jahrbuch 2017
Rubrik: Utopia, Seite 12
von Christoph Winkler
Mit einem BA in Zeitgeschichte, einem MA in Performing Arts Management und seiner nunmehr 20-jährigen Tätigkeit als Event-Manager mit zeitgenössischem Schwerpunkt ist der 56-jährige Gigi (Luigi) Cristoforetti ein erfahrener Macher. Seit 2002 mit der Leitung des «Torinodanza»-Festivals betraut, hat er seiner Vorliebe für Physical Theatre frönen können:...
«Уважающим себя хореографам следовало бы учитывать, что каждое па – это шаг в будущее. Chorégraphes qui se respectent devraient prendre en considération que chaque pas est un pas dans l’avenir.» Das ist ein Satz, den Serge Diaghilew, laut Boris Kochno, am 17. August 1929, also zwei Tage vor seinem Tod, in Venedig Kochno anvertraut haben soll & den ich, Giselle...
Sie fällt auf, denn sie hat ein Gesicht, keine hübsche Larve. Die Myrtha, das war heuer Prisca Zeisels erstes großes klassisches Rollendebüt am Bayerischen Staatsballett. Bereits im März ist die 22-Jährige zur Solistin befördert worden. Sie schlug einen sofort als eine Wilis-Königin von gläsern-unnahbarer Schönheit mit gefrorenem Herzen in ihren Bann. Schon davor...
