Bonn: Der kleine Vulkan
Der kleine orange-graue Vulkan hinten rechts hätte Warnung genug sein können. Aber kaum einer hat die Rauchzeichen beachtet, die er beim Einlass in Kringeln und Schwaden ausgestoßen hat, und keiner konnte sie deuten. Dabei wäre es so einfach gewesen: Es hieß «Vorsicht Dampfplauderer!» Derart unverstanden kann der Vulkan nur mehr als Ruhepol des Abends punkten, gemeinsam mit dem Neonröhrenmond zur Linken (Bühnenbild Martin Miotk). Die Figuren der Uraufführung «Wer ist Walter» sind, was die Ruhe betrifft, keine Konkurrenz.
Regisseurin Simone Blattner hat sie durchweg auf Krawall und Unterhaltung gebürstet, nicht immer zum Besten des Textes von Ariane Koch.
Die 1988 geborene Schweizer Autorin hat in ihrem Stück das Dampfplaudern zum Prinzip gemacht: Ein gewisser Walter ist verschwunden. Die Leerstelle, die er hinterlässt, regt die Verbliebenen an, sich um Kopf und Kragen zu reden. Geradezu vampirisch weiden sie das unspektakuläre Leben des Uhren-Vertreters aus, kapern seine Gedanken und Gefühle, behaupten, seine Mission zu kennen. Der Gesellschaftsflüchtige muss als Projektionsfläche für Sehnsüchte, Profilneurosen, Aussteigerfantasien und Ängste herhalten. Das erinnert vom Setting ...
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Theater heute Januar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Cornelia Fiedler
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