Bock haben, Spaß machen
Niklaus Helbling, ein Sohn der gebildeten Zürcher Gesellschaft, hatte Ende der neunziger Jahre keinen Bock mehr, Dramaturg an einem städtischen Haus zu sein. Er verließ das Hamburger Thalia Theater unter Jürgen Flimm und gründete als Neu-Regisseur die freie Gruppe Mass & Fieber. Mit dabei vor allem Freunde, weil die Arbeit sollte wieder Bock machen: Dirk Thiele für die Bühne, Martin Gantenbein und Markus Schönholzer für die Musik, Salome Schneebeli für die Choreografie.
Und bald schrieb die Journalistin und Autorin Brigitte Helbling, seine Frau, die Lyrics zu den Songs und dann auch die Texte. Die noch junge Familie blieb zwar in Hamburg, ihre ersten Theaterproduktionen finanzierte aber die Heimatstadt der Helblings.
In Zürich schlug gleich die erste ein: «Bambifikation – Plastikmenschen schauen dich an». In einem Ravekeller an den Gleisen wendete Mass & Fieber Douglas Couplands Kulturpessimismus im Titel in eine hedonistische Theaterfeier mit wenigen Mitteln: Bambi, bei Coupland eine Metapher für die kapitalistische Verzuckerung des realen Säuregehaltes der Welt, blieb ein Container für alles, worauf die Helblings and Friends nun wirklich Bock hatten. Musik, Be -wegung, Parodien, ...
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Theater heute Januar 2025
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Tobi Müller
Der gebürtige Rostocker Jörg Pose betritt als erster allein die Bühne, setzt sich auf einen Stuhl an der Rampe, zuckt und zupft an sich und seinem Harlekinspyjama herum. Er hebt an, von einem seltsamen Fiebertraum zu erzählen, in dem der Träumende schon gestorben ist und sich mit anderen auf eine Reise und in «ein Haus aus geballter weicher Luft» begibt, dann aber...
Bernarda Alba oder ein Puppenheim. Alex Eales hat eine Puppenstube an die Bühnenrampe des Hamburger Schauspielhauses gestellt: einen schmucklosen Flachbau, dem an der Rampenseite die Mauer fehlt. Man blickt direkt in die Zimmer der Familie Alba, kleine Kammern, in denen die fünf Töchter sowie die demente Großmutter leben; man könnte hineingreifen, und die Figuren...
Im Englischen beschreibt das schöne Wort «overstuffed» bemerkenswert unterschiedliche Zustände. Es kann sich ganz materiell etwa auf ein Regal beziehen, dessen Bretter unter der Last zu vieler Dinge durchhängen. Positiv gewendet mag aber auch ein besonders komfortabel gepolsterter Sessel so beschrieben werden, und auch ein Buch ist «overstuffed», wenn es zu viele...
