Bochum: Doppelter Zweikampf
Die Vereinsamung in der Masse der Großstadt, die Strategie des Kampfes durch Unterwerfung, die Kritik an der Unzulänglichkeit der Sprache: Brecht hat in seinem Frühwerk die verschiedensten Motive, Gedanken und Stile zusammengewirbelt. Zum Teil ging es ihm auch gar nicht um Gedanken, sondern nur um «scharfe» Formulierungen, um die Übertragung des rebellischen Impulses der Gedichte Rimbauds auf die Bühne.
Das Stück dem Publikum nahe bringen zu wollen, hilft hier nicht weiter. Roger Vontobel aber will Brecht verständlich machen.
Er zeigt uns: Hier kämpft ein gelangweilter Oberschichtmensch gegen einen willkürlich ausgesuchten Unterschichtgegner. Und er zeigt uns genau, wo und wann dieser Kampf stattfindet: heute in Bochum. In der Videothek in der Herner Straße geht es los. Lokalisierung und Aktualisierung sind Vontobels Inszenierungsziele.
Shlink ist bei Brecht ein Holzhändler, Garga ein Buchverkäufer. In Bochum ist Garga (Matthias Redlhammer) Verkäufer in einer Videothek und Shlink (Florian Lange) ein graumelierter, berlusconiesker Geschäftsmensch. Wir sehen sie in einem Video, wie von einer Überwachungskamera gefilmt, in vierfacher Perspektive auf dem Eisernen Vorhang. Shlink will ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Chronik, Seite 55
von Gerhard Preußer
Alles ist verzerrt. Eine Landschaft aus Sitzmöbeln auf weißem Teppich füllt das Braunschweiger Kleine Haus über den gesamten Zuschauerraum bis an die ebenfalls mit weißem Stoff bespannten Wände der Bühne aus. Dazwischen eine einzige Wohnzimmerlampe, ein Flügel und überall Zuschauer, die schon vor Beginn der Show von Tochter Isabelle (Ursula Hobmair) zum Eintreten...
Ein Tunnel aus Nebel windet sich in die Tiefe des Raums. Einzelne Gestalten schälen sich aus dem Dunst, werfen groteske Schatten, beginnen zu tanzen, trudeln in den dunklen Schlund oder werden von ihm ausgespien. Zwischen jeder Szene taucht dieser Spuk erneut auf, wie ein düsterer psychedelischer Trip. Thomas Krupa entwirft in seiner Inszenierung von Noah Haidles...
Die Welt ist nicht untergegangen, neulich, als es eigentlich soweit hätte sein sollen. Etwas verspätet kann deshalb nun der bibelfeste Regisseur Ulrich Rasche in Stuttgart zeigen, wie die Apokalypse nach christlicher Lesart aussieht. Wo die Mayas nur ein Datum hinterlassen haben, aus dem ein schwäbischer Hollywoodregisseur immerhin mal ein ganzes Weltende in...
