Blitz, lass nach
Botho Strauß ist ja Romantiker. Wobei. Vielleicht eher ein Propagandist des Romantischen. Ein Artenschützer. Denn mindestens ebenso viel wie mit dem Geträumten und Fantasierten befasst er sich damit, dass die anderen es leugneten, mit Füßen träten und überhaupt einen globalen, technisch-digital gestützten und kulturell verbrämten Kampf dagegen führten.
In der Haltung eines letzten Sehers sendet er regelmäßig Botschaften aus, deren gelehrte Distanziertheit immer beeindruckt, deren kritischer Gehalt jedoch am Ressentiment gegen alles krankt, was Zugriff nimmt und teilhat an der Welt, anstatt sie nur vom Rande aus, höchstens «auf Zehenspitzen» entweder anzubeten oder zu belauern.
Das Zweckmäßige und Allgemeine, das Naheliegende und Einsichtige ist Botho Strauß verhasst. Er schützt sich davor mit Meditationen über jenes, was es entweder nicht (mehr) gibt oder was wenigstens nicht verstanden werden kann. «Einstweh». «Beginnlosigkeit». Oder so. Gerne bezeichnet er sich als «Fulgurist», nach fulgur, dem lateinischen Wort für Blitz. In jedes System, so warnt er genüsslich, könne allzeit etwas einbrechen, das alles umstürze: das «heilig Unvorhersehbare». Womit er eine ziemlich schlechte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Für kaum einen zeitgenössischen Romanautor hat sich das deutschsprachige Theater in den letzten Jahren so sehr interessiert wie für Michel Houellebecq. Nicht nur, dass eines der spektakulärsten Theatereignisse der Saison 2000/1 der nicht stattfindende Auftritt des soziophoben Kettenrauchers vor der vollbesetzten Berliner Volksbühne war. Mit einer Mischung aus...
Zwei Paare, vier Sterne, ein Apfelbaum. Jana geht mit Kalle; Susann geht mit Anton. Die Sterne sind vermeintliche Designerdrogen und angeschafft, damit man in dieser Nacht mal «was spürt». Der Apfelbaum weist Richtung Sternenhimmel. Susann sagt: «Die Sterne. / Mit der ganzen Zeit, die sie haben. / Hängen da oben rum. / Wie Kinder ohne Zukunft.» Die Vier warten...
Manchmal scheint es, betrachtet man die Stücke jüngerer Dramatiker, als wären beruflicher Erfolg und eine halbwegs funktionierende Zweierbeziehung in erster Linie ein psychischer Härtetest, der unweigerlich zu tiefer Depression oder gar zum Amoklauf führen muss. Um sich die Leichtigkeit des Daseins erträglich zu machen, flüchtet das Personal mit Vorliebe in...
