Bilderbuch einer Legende
Dieses Buch ist selbst wie eine Bühne. Ein Paket von fast 3 kg, auf dem Umschlag ein junger Roberto Ciulli, clownesk geschminkt, Zigarre in der Hand, melancholisch ins Weite blickend. Fremd, verführerisch. Ein Titelbild, das spüren lässt, wie schockverliebt der Verleger Alexander Wewerka war, als er Ciulli erstmals in Mülheim sah, jener von Berlin aus so entlegen wirkenden Ruhrgebietsstadt, sein Mikrofon an den Bühnenrand stellte und mit ihm das gewaltige Buchprojekt «Der fremde Blick» ersann.
1980 hat Roberto Ciulli dort mit Helmut Schäfer und Gralf Edzard Habben die Theateroase in einem ehemaligen Schwimmbad und Hotel gegründet, die immer noch die lebendige Gegenthese jeder bundesdeutschen Stadttheater-Strukturdebatte ist: ein Welttheater in klein, das die Krisengebiete der Welt bereiste und Kulturaustausch und Politaktivismus mit dem Ex-Jugoslawien im Krieg, Irak oder Iran praktizierte, als Milo Rau noch ein Kleinkind war.
Unter dem Umschlag erscheinen dann zwei knallfarbige Bände. Im roten, schmaleren, kommt man aus dem Staunen nicht heraus:
Ciulli, der Freigeist, Künstler, Gentleman, traurige Clown hat seine italienischen Kindheitserinnerungen hervorgeholt. Er, der nie ein ...
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Theater heute Dezember 2020
Rubrik: Bücher, Seite 43
von Dorothea Marcus
Wir haben Leiter*innen von Stadttheatern und Produktionshäusern gebeten, zwei Fragen zu beantworten:
1) Für wie gerechtfertigt und nachvollziehbar halten Sie die Theaterschließungen? Für wie verhältnismäßig schätzen Sie sie ein und werden sie helfen, Neuansteckungen zu reduzieren?
2) Sind die angekündigten Ausgleichszahlungen auf Basis von 75 Prozent des...
Traurige Ironie der Pandemiegeschichte: Weil man die Inszenierung im Juli nicht vor den damals zugelassenen 200 Zuschauern herausbringen wollte, gab es vor den Sommerferien nur zwei Voraufführungen. Jetzt durfte die nachgeholte Premiere von «Dantons Tod» in der Regie von Sebastian Baumgarten im Schauspielhaus des Münchner Residenztheaters Anfang November nur noch...
Vor einem Jahr sagte Björn Bicker anlässlich der Bochumer Uraufführung seiner «Lehrer*innen» in einem Interview: «Ich führe Gespräche, besuche Schulen und Unterrichtsstunden. Ich sammle Material. Und aus dem Material wird sich eine literarische Form ergeben: eine Klage, ein Liebeslied, ein Chor, ein Manifest, eine Farce – oder alles zusammen.» Jetzt, da Bickers...
