Bilder eines selbstbestimmten Lebens

nach Roddy Doyle «Die Frau, die gegen Türen rannte» (DE, Schauspiel Frankfurt, Kammerspiele)

Theater heute - Logo

Paula Spencer hat irgendwie Pech gehabt im Leben. Sie ist Witwe, Putzfrau und Alkoholikerin – eine Inkarnation des Prekariats. Trotzdem ist Paula Spencer kein Trauerfall, denn ihr Schöpfer, der irische Erfolgsschriftsteller Roddy Doyle hat ihr nicht nur eine Stimme, sondern auch viel Würde und Humor gegeben. In seinem Roman «Die Frau, die gegen Türen rannte» lässt er Paula ihre Sicht der Dinge erzählen. Wie es ist, in der Schule in die Klasse der Dümmsten eingestuft zu werden. Wie sich ein Körper anfühlt, der viel zu früh in die Üppigkeit des Frauseins übergeht.

Wie man in einem Umfeld besteht, in dem sehr wenig auf das Wohlergehen anderer geachtet wird. Das klingt tragisch, wird in der schnoddrigen Eloquenz von Doyles Protagonistin aber mit liebevoller Ironie erzählt.

Paula Spencer ist eine Überlebende. Und als solche stellt sie Oliver Reese auf die Bühne der Frankfurter Kammerspiele. Reese hat aus Doyles Text einen Theatermonolog gemacht, der aus sich heraus funktioniert, weil der Romanautor mit Paula Spencer eine beeindruckend realistische und hinreißend menschliche Figur geschaffen hat. In Frankfurt steht sie in gleißendem Licht auf einer weißen Plastik­plane, wie sie Fotografen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Paula van Bergen

Weitere Beiträge
Mondgöttinnen des Alltags

Das Roxy-Theater liegt in Birsfelden, dicht an der Grenze, wo die Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Land aufeinander stoßen. Seit sechzehn Jahren organisiert hier ein Verein Gastspieltheater, Musik und Kleinkunst. Ein charmanter Bau aus den 1920er-Jahren und der gute Ruf sorgen für regen Zulauf. Doch nicht immer. Der Basler Premiere von «Der rundere Mond» der...

Whomm! Zoing!

Ein Comic bleibt ein Comic bleibt ein Comic – auch wenn er ohne Sprechblasen auf der Bühne daherkommt. Das heißt: Große Hüllen mit wenig Inhalt sind das eigentlich schon, die man im Theaterhaus Jena bei Rebekka Kricheldorfs Batman-Fortschreibung «Gotham City I»
zerplatzen hört, einer scheinbar ins Unendliche angelegten (mindestens die Teile II und III
werden noch...

Kunst kostet!

Wer in den letzten Wochen und Monaten in ein deutsches Theater ging, konnte froh sein, wenn er nach dem Applaus ohne weitere Hiobsbotschaften entlassen wurde. Wenn es nicht so glücklich lief, standen ein paar Schauspieler auf der Bühne, berichteten in wohlgesetzten Worten von drohenden Sparszenarien und riefen die Zuschauer wenn nicht zur So­lidarität, so doch...