Bilder eines selbstbestimmten Lebens
Paula Spencer hat irgendwie Pech gehabt im Leben. Sie ist Witwe, Putzfrau und Alkoholikerin – eine Inkarnation des Prekariats. Trotzdem ist Paula Spencer kein Trauerfall, denn ihr Schöpfer, der irische Erfolgsschriftsteller Roddy Doyle hat ihr nicht nur eine Stimme, sondern auch viel Würde und Humor gegeben. In seinem Roman «Die Frau, die gegen Türen rannte» lässt er Paula ihre Sicht der Dinge erzählen. Wie es ist, in der Schule in die Klasse der Dümmsten eingestuft zu werden. Wie sich ein Körper anfühlt, der viel zu früh in die Üppigkeit des Frauseins übergeht.
Wie man in einem Umfeld besteht, in dem sehr wenig auf das Wohlergehen anderer geachtet wird. Das klingt tragisch, wird in der schnoddrigen Eloquenz von Doyles Protagonistin aber mit liebevoller Ironie erzählt.
Paula Spencer ist eine Überlebende. Und als solche stellt sie Oliver Reese auf die Bühne der Frankfurter Kammerspiele. Reese hat aus Doyles Text einen Theatermonolog gemacht, der aus sich heraus funktioniert, weil der Romanautor mit Paula Spencer eine beeindruckend realistische und hinreißend menschliche Figur geschaffen hat. In Frankfurt steht sie in gleißendem Licht auf einer weißen Plastikplane, wie sie Fotografen ...
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Theater heute Januar 2011
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Paula van Bergen
Bei Film-, Fernseh- oder Theaterfestivals wäre es nicht denkbar, dass in vier von fünf Jahrgängen Jury- und Publikumspreis an die gleiche Produktion fallen. Bei den ARD-Hörspieltagen in Karlsruhe geht das. Jetzt ereilte die doppelte Ehre Thilo Refferts O-Ton-Hörspiel «Die Sicherheit einer geschlossenen Fahrgastzelle» (Produktion: MDR, Regie: Stefan Kanis). Und auch...
Ein Comic bleibt ein Comic bleibt ein Comic – auch wenn er ohne Sprechblasen auf der Bühne daherkommt. Das heißt: Große Hüllen mit wenig Inhalt sind das eigentlich schon, die man im Theaterhaus Jena bei Rebekka Kricheldorfs Batman-Fortschreibung «Gotham City I»
zerplatzen hört, einer scheinbar ins Unendliche angelegten (mindestens die Teile II und III
werden noch...
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