Betatscht und gemaßregelt
Vor dem eigentlichen Spielbeginn lässt sich eine wortlose Naherfahrung mit dem anderen Geschlecht machen. Sie wird die angenehmste an diesem Abend sein. Eine kleine Peepshow-Box mit zwei Glitzervorhängen (einer für Männer, einer für Frauen) lädt zum Betreten ein. Für mehrere Sekunden stehe ich auf engstem Raum einem sympathischen jungen Mann, dem Schauspieler Manuel Franz, Aug in Aug gegenüber, bevor ich wieder in den von Säulen gestützten, kellerclubartigen Innenraum des von der freien Künstler:innenszene genutzten Saarbrücker Garelly-Hauses trete.
Flackernde Plastikkerzen und eine hämische Kirmesansagerstimme («Wir bringen euch das Blut zum Kochen») verheißen hier einiges an Nervenkitzel, derweil sich junges Publikum entspannt an den Längsseiten des Raumes platziert.
In den folgenden zweieinhalb Stunden von «Bang Bang Tender», der neuesten Theaterperformance des Korso-op.Kollektivs, mutiert der trashige Schauerspaß allerdings zu einer ziem -lichen Horrorfahrt durch die Geschlechterverhältnisse unseres jahrtausendealten Patriarchats. Auf politisch korrekte Darstellung oder Safe-Space-Vorsichtsmaßnahmen wird dabei gnadenlos verzichtet. Das Textgewirr aus Märchen, Mythen und ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Natalie Bloch
Am besten hat die Exilerfahrung wohl die aus Uganda geflohene Aktivistin und Lyrikerin Stella Nyanzi auf den Punkt gebracht, in einem ihrer mitreißenden, in Deutschland entstandenen Gedichte: «Exil, das ist ein Ort zum Atmen: ah und uh.» Ein leicht befreiendes Ah und ein leicht schmerzliches Uh. Gemischtes Gefühl also. Im Exil verliebt sich ihre Tochter in...
«So, Leute, das Land ist frei.» Arbeit erledigt. Tell schmeißt seine goldene Armbrust in den Teich, mit der er zuvor den tyrannischen, brutalen Reichsvogt Gessler niedergestreckt hat. «Das Land ist frei, das Land ist frei», singen die Fische lustig im Chor und lassen tanzend die Flossen flattern. Und das Publikum klatscht enthusiasmiert mit und jubelt. Eine solch...
Einen «autobiografischen Roman» nennt Samuel Finzi «Samuels Buch», sein Buch, die Coming-of-Age-Geschichte eines der beliebtesten und meistbeschäftigten Theater- und Filmschauspieler im deutschsprachigen Raum. Vielleicht wäre «Terrazzo-Mosaik» ein noch besserer Untertitel gewesen. Denn es ist der Terrazzo-Boden in seiner Berliner Küche, der ihn zum Terrazzo-Boden...
