Betatscht und gemaßregelt
Vor dem eigentlichen Spielbeginn lässt sich eine wortlose Naherfahrung mit dem anderen Geschlecht machen. Sie wird die angenehmste an diesem Abend sein. Eine kleine Peepshow-Box mit zwei Glitzervorhängen (einer für Männer, einer für Frauen) lädt zum Betreten ein. Für mehrere Sekunden stehe ich auf engstem Raum einem sympathischen jungen Mann, dem Schauspieler Manuel Franz, Aug in Aug gegenüber, bevor ich wieder in den von Säulen gestützten, kellerclubartigen Innenraum des von der freien Künstler:innenszene genutzten Saarbrücker Garelly-Hauses trete.
Flackernde Plastikkerzen und eine hämische Kirmesansagerstimme («Wir bringen euch das Blut zum Kochen») verheißen hier einiges an Nervenkitzel, derweil sich junges Publikum entspannt an den Längsseiten des Raumes platziert.
In den folgenden zweieinhalb Stunden von «Bang Bang Tender», der neuesten Theaterperformance des Korso-op.Kollektivs, mutiert der trashige Schauerspaß allerdings zu einer ziem -lichen Horrorfahrt durch die Geschlechterverhältnisse unseres jahrtausendealten Patriarchats. Auf politisch korrekte Darstellung oder Safe-Space-Vorsichtsmaßnahmen wird dabei gnadenlos verzichtet. Das Textgewirr aus Märchen, Mythen und ...
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Theater heute August-September 2023
Rubrik: Chronik, Seite 61
von Natalie Bloch
Anna ist auf der Flucht, in doppelter Hinsicht: im «Herkunftsland» politisch verfolgt, am aktuellen «Aufenthaltsort» vom Ehemann gestalkt. «Wenn der mich findet», sagt Anna, «der macht mich tot.» Ronja wiederum, gerade achtzehn geworden, soll gegen ihren Willen heiraten – einen Cousin. Der innerfamiliäre Druck wird mit Erniedrigungsschrumpfsätzen à la «Wer will...
Was ist das für ein Geschöpf, das da im von Trockeneis umnebelten Lichtkegel in einer Art Taufbecken steht? Bis zum Scheitel nackt und haarlos, mit geometrischen Mustern im Gesicht, rituelle Gesten vollführend, die Füße im knöcheltiefen Wasser? Ein hoher Priester, ein Alien oder doch der unglückliche Königssohn Sigismund, dem schon vor seiner Geburt eine Zukunft...
Vili Viorel Paun verfolgt den Täter in seinem Auto durch Hanau. Am Kanaltorplatz zwingt er ihn durch clevere Bedrängungs- und Blockade-Manöver vorzeitig zur Flucht und rettet auf diese Art wahrscheinlich mehrere Menschenleben. Während seiner weiteren Täterverfolgung ruft Vili Viorel Paun immer wieder die 110 an. Aber niemand hebt ab. Wie sich später herausstellen...
