Bilanz auf Schloss Bladenhorst
Jetzt geht die Party richtig los. Tisch 2 rechts vorn dreht ab. Bis jetzt war ja die reifere Dame mit dem charmant nach Ungarn, vielleicht auch nach Baltikum klingenden Akzent vor allem eine treue Helferin für den Künstler, der da zwischen den Tischen im kleinen Festsaal gerade zwei Halbzeiten lang eine der haltbarsten Ikonen nachkriegsdeutscher Humor-Geschichte beschwor. Sie spielte immer brav mit, wenn er beharrlich das Publikum animierte, und lieferte ihm von Zeit zu Zeit sogar richtig gute Stichworte.
Aber jetzt sieht’s bedrohlich danach aus (und hört sich noch bedrohlicher danach an!), als wolle sie gleich selber die Show übernehmen. Und selbst der Komödiant beginnt zu spüren, dass es Geister gibt, die sich nicht ungestraft und nur zum Spaß auf’s Spielfeld rufen lassen – und dass, wer sich auch auf die Untiefen des deutschen Humors einzulassen wagt, nicht ohne Risiken, Nebenwirkungen und Kollateralschäden davonkommt. Da läutet Stefan Keim dann doch besser zur Schlussrunde, hängt noch eineinhalb Zugaben ans Programm – und sorgt sich darum, dass die extrem amüsierwillige Kundin nach dem letzten Glas auch den richtigen Weg nach Hause findet.
Kaffeeverkostung und Kultur
Zu Hause ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Gleich nach einer kurzen Diashow zur Einstimmung teilen sich Gesine Hohmann und Stephan Stock die Bühne gerecht auf. Auf der linken Seite arbeitet sich der Berner Schauspielschüler mit geradem Rücken, irritierend wohlgesetztem Lächeln und ein paar multifunktionalen Holzlatten durch den stoischen Optimismus von Halldor Laxness’ «Sein eigener Herr»: die Geschichte...
Wenn man Stücke trinken könnte, dann hätte ich gerne eine Flasche vom Kirschgarten»: Tilmann Köhlers «Liebeserklärung an den Kirschgarten» kann man auf der Website des Dresdner Staatsschauspiels nachlesen, wo der junge Hausregisseur jetzt seinen ersten Tschechow inszeniert. Altmeister Wolfgang Engel hat sich indessen nach Weimar begeben, wo er den Verschwörungen in...
Welch eine Verheißung: «Sie müssen das, was Sie lieben, nicht mehr selber machen. Hier geht es» – denn was ist Gefühlsproduktion schließlich anderes als harte Wertschöpfungsmaloche – «um Arbeitserleichterung!» An die Formulierung derart revolutionärer Utopien hat sich das Theater mindestens seit Brecht nicht mehr gewagt!
Im Ernst: René Polleschs «interpassive»...
