Besser lügen!
Drei Tage bevor ich gefragt wurde, etwas über meine «Visionen vom zukünftigen Schauspieler» zu erzählen, hat mich ein Performer des Nature Theater of Oklahoma im Berliner Hebbeltheater unrasiert und verschwitzt, wie er war, an meinem Eckplatz in der dritten Reihe aufgesucht, um mich auf den Mund zu küssen. Ich wusste, als er auf mich zusteuerte, ziemlich genau, was mir blüht, weil er gerade dasselbe mit einer älteren Dame aus der ersten Reihe gemacht hatte, und ließ das Ganze auch tapfer über mich ergehen, weil ich mir einfach vorstellte, da küsst dich jetzt eine ganz tolle Frau.
Nun hilft diese Vision von der vielleicht zukünftigen Schauspielerin nicht bei jedem Bart und in jeder Situation, aber sie ist ein guter Einstieg in ein Thema, zu dem ich sonst nie im Leben etwas gesagt hätte. Denn ich finde, dass Theaterkritiker keine Visionen haben sollen. Sie sollen das, was sie zu sehen glauben, so treffend als möglich sprachlich fassen und daraus – so gut sie können – weitere Schlüsse ziehen. Kollegen, die dabei ins Visionäre entgleiten und Dinge sehen, die es (noch) gar nicht gibt, sind mindestens genauso schlimm wie jene, die für immer und ewig zu wissen glauben, was Theater ist ...
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1. Teil Spurensuche
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Franz WilleWie sind Sie auf die Idee für den «Goldenen Drachen» gekommen?
Roland SchimmelpfennigAuslöser für das Stück waren zwei Begegnungen: Die eine morgens um neun zufällig auf der Straße mit einem Rechtsanwalt aus dem Freundeskreis, der mich darauf ansprach, ob ich mir nicht vorstellen könnte, etwas über illegale Einwanderer in Deutschland zu schreiben – wobei...
Man kann das «Diebe»-Bühnenbild von Andreas Kriegenburg, dem Bühnenbildner des Jahres, theaterkritisch beschreiben als mächtiges Szenen-Mühlrad, das Dea Lohers Menschen unerbittlich vor sich her treibt. Man kann die riesige Konstruktion aber auch als technische
Herausforderung beschreiben, wie Dr. Gabi Högg von der ausführenden Bühnenbau-Firma Hoag in Moers: «Das...
