Besinnung auf das Menschsein

Anne Lenk entdeckt am Deutschen Theater Berlin Ernst Tollers «Hinkemann» neu, und Luk Perceval lässt Vladimir und Estragon noch einmal auf Godot warten

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Im zweiten Akt sitzt der Kriegsveteran und Jahrmarktschausteller Eugen Hinkemann in einer Arbeiterkneipe mit ein paar Genossen beim Bier. Einer von ihnen, bei Ernst Toller heißt er Michael Unbeschwert, hat gerade die neue Gesellschaftsordnung in Aussicht gestellt, in der «eine vernünftige Menschheit ein glückliches Dasein» produziert.

Ob das für alle gelte, will Hinkemann wissen, und tastet sich langsam, Frage um Frage, an seinen speziellen Fall heran: Was, wenn ein Mensch krank ist, ein Krüppel, ohne Arm oder Beine, womöglich krank in der Seele, oder was, wenn ihm gar im Krieg das Geschlecht weggeschossen wurde?

Die eigentliche Antwort auf die Frage hat nicht der Wortführer Unbeschwert. Sondern Hinkemann selbst, der den Genossen nun vom Schicksal eines Freundes erzählt, der er eigentlich selbst ist, so peinlich ist ihm das Ganze. Doch dieser «Freund» wird tatsächlich wieder froh, weil sein Weib ihn lieb hatte, «trotz allem. Das Weib hatte seine Seele lieb.»

Verflixt komplizierte Fragen stelle er, bescheinigt ihm Unbeschwert, ein anderer fängt glucksend zu lachen an, ein nächster protestiert, das sei doch zum Weinen. Kein Geschlecht mehr zu haben, kein Mann mehr zu sein, ist in ...

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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 13
von Eva Behrendt

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