Berlin: Schwarz, weiß, rot, tot
Da steht, in tiefem Bühnenschwarz auf weißem Grund: Othello. Der nackte Leib rot eingefärbt von Kopf bis Fuß. Markiert, aber nicht schwarz, sondern blutrot. So beginnt zu wummernden Beats (Ludwig Wandinger) vom zentral über Olaf Altmanns leerer Bühne thronenden, göttergleichen Schlagzeug Michael Thalheimers «Othello» am Berliner Ensemble. Was will das Rot uns sagen? Den «Moor of Venice», so der originale koloniale Titelzusatz des Shakespeare-Dramas, haben wir im Kopf als Inbegriff des Schwarzen im Theaterkanon.
Lässt diese Zuschreibung sich so simpel übermalen? Wofür steht die Stellvertretermarkierung blutrot?
Ingo Hülsmann lässt daran von der ersten Minute, in der er in lässiger Macho-Pose an der Rampe steht, keinerlei Zweifel: Rot ist der Mann, der General, der Aggressor. Als Desdemona, Sina Martens, ein züngelndes Püppchen mit krächzendem Stimmchen, ihn hingerissen bespringt, färbt sein Rot ihre weißgeschminkte Nacktheit blutig ein. Der simulierte Geschlechtsakt mündet in ein Würgen, das Desdemonas Tod vorwegnimmt: Küsse sind Bisse, Männer sind Tiere. Die Zeichen sind gesetzt ab der ersten Minute dieses zweistündigen Abends. Der 30-köpfige Chor, der fast dauerpräsent im ...
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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Barbara Burckhardt
Die piekfeine «Kronenhalle» mit weißen Tischtüchern und Kunst an den Wänden, der etwas weniger schicke, dafür architektonisch cool geschwungene Kiosk am Bellevue-Platz, die primärfarbenen Kuben von Le Corbusiers «Heidi-Weber-Haus» im Seefeld und ein Pornokino von der Langstraße: Aleksandar Denic spielt mit seiner Drehbühne im Pfauen ganz auf Zürich, ein mit sich...
Figuren:
Der Architekt
Der Kellner
Er
Die Mitte der Gesellschaft (Drei Damen mit Haltung)
Eine Frau, die eigentlich nicht hier sein sollte
und
Der ganze Rest
Der ganze Rest kann live oder auch nur im Video-Format auftreten. Eine Frau, die eigentlich nicht hier sein sollte wäre in letzterem Fall nur Off-Stimme im Video. Die physische Anwesenheit der betreffenden...
Am 30. Juni geht ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Burgtheaters zu Ende: Karin Bergmann, die erste Frau an der Spitze der Burg, tritt ab. Fünfeinhalb Jahre vorher, im März 2014, hatte sie – mitten in der Spielzeit – ihr Amt angetreten. Nach der damaligen fristlosen Entlassung von Matthias Hartmann war Bergmann vom Kunstminister Josef Ostermayer (SPÖ)...
