«Wir haben eine Mission»
Stefanie Carp: Sie haben Ihr Theaterleben dem Entwickeln und Aufführen zeitgenössischer Dramatik gewidmet und verschiedene Theater geleitet. Seit 2005 haben Sie das Public Theater zu einer der erfolgreichsten New Yorker Bühnen gemacht. Wie sehen Sie die Rolle eines Dramaturgen und eines Produzenten?
Oskar Eustis: Produzent und Dramaturg haben zwei verschiedene Funktionen, die einander ergänzen: Als Produzent beauftrage ich Arbeiten, wähle Künstlerinnen aus und betreue sie im Rahmen der Mission des Theaters.
Diese Mission besteht darin, etwas zu kreieren, das zählt, das sowohl in die großen sozialen Debatten unserer Gegenwart eingreift als auch versucht, so viele Bürger wie möglich an diesen Debatten zu beteiligen. Ich muss also an zwei Seiten arbeiten: Wer soll die Geschichte schreiben, und welches und wie viel Publikum soll an der Geschichte beteiligt sein? Es ist nie genug: Immer gibt es noch Raum für mehr Publikum, einen stärkeren Inhalt, eine größere Idee.
Carp: Und der Dramatug?
Oskar Eustis: Mein Job als Dramaturg beginnt danach. Im Kern geht es darum, den Künstlerinnen zu helfen, die beste Version ihrer Ideen zu realisieren. Ich habe manchmal gesagt, ein guter Dramaturg ...
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Theater heute Februar 2017
Rubrik: International, Seite 43
von Stefanie Carp
Es war wohl der letzte Klassenkampf vor dem unwiderruflichen Sieg des Neoliberalismus, aber er wurde so selbstherrlich beschlossen, dass von vornherein der Wurm drin war: Ohne Urabstimmung führte die britische Gewerkschaft NUM die britischen Bergarbeiter im März 1984 ein Jahr lang in einen zermürbenden Streik, der heute als Wendepunkt in der britischen Geschichte...
Wenn es schon kein anderer macht, muss man es eben selber tun: Die Dramaturgie des Berliner Ensembles, allen voran Peymann-Lebensgefährtin Jutta Ferbers, hat ihrem scheidenden Direktor ein Buch spendiert: «Claus Peymann – Mord und Totschlag». Hermann Beil zitiert im Vorwort Thomas Bernhards Theatermacher Bruscon – «Lebenslängliche Theaterkerkerhaft / ohne die...
Die Mädchen fassen sich zwischen die Beine. Sie stöhnen und bäumen sich auf, sie winden sich und zerren an ihren leichten Sommerkleidern. Die Lust, die sie durchfährt, ist in der Eröffnungsszene dieser «Hexenjagd» am Wiener Burgtheater aber auch ein Todeskampf. Die Röcke und Blusen eignen sich hervorragend, um sich selbst zu strangulieren.
Die Masturbationsszene,...
