Alles und noch mehr
Ein großer leerer Raum, eingefasst in einen Gaze-Rahmen. Boden und Wände zeigen Spuren von einem geräumten Leben. An der Wand sitzt Angela (schön verbittert: Christine Zart) und starrt auf einen Kaktus. Räumungstag. Um Punkt 18 Uhr muss die Wohnung verlassen sein, und als Meike (Ulrike Knobloch als hilflos desillusionierte Räumungsbevollmächtigte) von der Wohungsvermietungs-GmbH auftritt, nimmt das Sozialdrama seinen Lauf. Akkurates Desinteresse trifft auf maximale Bockigkeit, und das Machtspiel zwischen Repression ohne Grund und humanistischem Widerstand kann beginnen.
Draußen, in Szenen vor geschlossener Gaze-Wand, treibt derweil der Obdachlose Herr Hübsch (immer gut gelaunt: Gunnar Blume) seine Spielchen mit Klappbank und Rucksack, träumt von den Gesprächen in den warm erleuchteten Fenstern, von Stuck und Kronleuchtern und seinen Sommern auf Rügen, wo er an einem antiken Steingrab seinen perfekten Schlafplatz hat. Immer froh gelaunt berichtet er im Laufe des Abends von seinem Leben als Tippelbruder mit den bürokratischen Anmeldeprozeduren in den Städten, den Wärmebussen im Winter und dem romantischen Plattemachen an der Ostsee im Sommer. Er erzählt, wie seine Freundin ihn ...
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Theater heute August-September 2025
Rubrik: Chronik, Seite 60
von Torben Ibs
Unsere Hoffnung gründet sich auf das Sportpublikum», bekennt Bertolt Brecht 1926 in seiner Schrift «Über den Untergang des alten Theaters». «Unser Auge schielt, verbergen wir es nicht, nach diesen ungeheuren Zementtöpfen, gefüllt mit 15.000 Menschen aller Klassen und Gesichtsschnitte, dem klügsten und fairsten Publikum der Welt.»
Vielleicht hatten die Kurator:innen...
Das Fleisch – ob Mensch, ob Tier – ist gleich. Fleisch, das ist die leitende Metapher in Roger Vontobels Düsseldorfer Inszenierung von Brechts «Die Heilige Johanna der Schlachthöfe». Brecht hatte zunächst die Vorgänge an der Weizenbörse in Chicago im Auge, wechselte dann aber zur Büchsenfleischproduktion, der Metaphorik wegen: die kapitalistische Gesellschaft ein...
Fucking Volkstheater.» Das Erinnerungsbuch zur fünfjährigen Direktionszeit von Kay Voges könnte keinen passenderen Titel tragen. Und dann ist das «Fucking» auch noch in dieser altdeutschen Schrift der satirischen Videos und Plakate, mit denen das Volkstheater im Zuge von Wahlkämpfen Haltung gegen Rechts zu zeigen versuchte. Dabei Geschmacksgrenzen bewusst...
