Ukrainische Barrikaden
Gelandet in Kiew. Wie Nachhausekommen in eine unbekannte Stadt», verzeichnet mein Tagebuch am 23.6.2011 um 16.00 Uhr. Ich war mit dem Direktflug aus New York angereist. 14 Stunden economy class, der Atlantik und drei Viertel des Kontinents lagen hinter mir. Dann die Taxifahrt durch eine ausgedehnte Zone voll schmutziger Plattenbauten und haushoher Reklamen für Zündkerzen, Frühstücksriegel, Strumpfhosen und Kosmetika.
In der Nähe des Zentrums (Kiew liegt wie viele mittel- und osteuropäische Städte über einer Flusslandschaft auf einem Hügelrücken) der erste Blick auf die gewaltigen Ufer, Auenwälder und Stromschleifen des Dnjepr. Schließlich die Eiskremfarben der Barockkirchen und die abblätternden Fassaden der Innenstadt. Die blühenden Kastanien. Die quietschenden Straßenbahnen. Wieso kam mir das alles wie eine Heimkehr vor?
Sicher auch einfach nur, weil Kiew mich erinnert hat an Krakau und Bratislava, wo ich vor New York fast ein Jahrzehnt lang gewesen war. Aber in dieser autobiografischen Nostalgie hat sich zugleich (wie mir heute vorkommt im Rückblick auf eine in der Erinnerung fast verklärte Woche im noch vorrevolutionären Kiew) ein allgemeineres Gefühl gezeigt.
Heute, nach drei ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: An den Rändern von Europa, Seite 26
von Von Stephan Wackwitz
Starkes Finish beim Theater des Jahres. Vorjahressieger Münchner Kammerspiele
darf sich über einen sehr verdienten zweiten Platz freuen in der vorletzten Saison von Johan Simons, der schon in jungen Jahren geisterhafte Begegnungen mit legendären Münchner Theatergöttern zu bestehen hatte.
Doch das Rennen ums Theater des Jahres machen die Berliner Newcomer am
Gorki...
Im ersten Spielzeitbuch zu Beginn seiner Intendanz 2010 in München ist ein Foto abgedruckt. Es zeigt Johan Simons, der die Maximilianstraße überquert. 45 Jahre früher hat er, Johan Simons, zum ersten Mal die Maximilianstraße überquert. 1965 war das. Johan war gerade mit dem Bus angekommen, stand auf der Maximilianstraße und schaute Richtung Kammerspiele.
Es gab...
Ich glaube nicht mehr an das Theater. Jedenfalls nicht in der Form, bei der sich eitle Nostalgiker an ihre sinkenden Theatermuseums-Schiffe klammern und laut schreien, weil keiner die Reparatur bezahlt. Da sitzen sie, die alten Männer aus der alten Zeit, und pinseln noch mal neue Farbe auf die Bretter, die sie eigentlich hätten erneuern müssen. Sie haben ihre...
