Autoren des Jahres
Das Stück des Jahres ist ein Kuriosum: Man kennt Elfriede Jelineks «Ulrike Maria Stuart» aus bisher drei Inszenierungen in Hamburg, München und Hannover, die jeweils nur einen Bruchteil des 120-Seiten-Textes benutzten. Das Werk selbst ist nicht veröffentlicht. Deshalb
fasst der Dramaturg Tilman Raabke zusammen, worum es geht – als Schauspiel-Führer.
Nachwuchsautor des Jahres Dirk Laucke kennt die Figuren seiner Stücke so gut, dass er nur das Nötigste über sie schreiben muss: Seine Erzählung «schlachtensee» schafft drei Leben auf einer Seite.
Simon Stephens’ Irak-Heimkehrerdrama «Motortown» wurde zum ausländischen Stück des Jahres gewählt, und sein Autor hat sich mit britischer Bescheidenheit in die allererste Reihe der Dramatiker von der Insel geschrieben. Im Folgenden eine Schlüsselszene auf diesem
Weg, die es selbst nie in ein Stück geschafft hat.
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Die Schauspieler, die in diesem Jahr ganz vorne auch in der Gunst unserer Kritiker lagen, wissen, was sie tun und für wen sie es tun: vehemente Rampenspieler ohne Scheu vor großen Auftritten. Tobi Müller hat sich in Zürich Joachim Meyerhoffs Ego-Shooter «Hamlet» angesehen und von der allzeit bereiten Begeisterungsfähigkeit des Schauspielers des Jahres anstecken...
Am Anfang war das Feuer. Die Idee. Ein Waldbrand. Was geschieht, wenn Menschen mit archaischen Zuständen konfrontiert werden? Unvermittelt. Ungeschützt. Schon in ihrem Stück «Monsun» hat Anja Hilling am Ende die Fotografin Melanie in Vietnam einem ununterbrochenen Regen ausgesetzt, der alle Reste der Zivilisation fortspült und sie damit auf sich...
40 Kritiker sind kurz vor Saisonschluss noch einmal in sich gegangen, haben die theatertollen Köpfe durchlüftet und sich nach langem, qualvollen Ringen für ihre Höhepunkte des Jahres entschieden. Ihre Wahl ist wie immer einseitig, ungerecht, egozentrisch – und völlig unfehlbar.
Auf den folgenden Seiten die funkelnden Spitzen der deutschsprachigen Theaterwelt,...
