Aus der Karaokewelt
Wie sitzt man richtig? Irgendwie wenigstens ein bisschen anders als die anderen? Hektisch windet sich Ira auf ihrem Klappstuhl auf der Suche nach der richtigen falschen Positur, angemessen nonkonform. Ein aussichtsloses Unterfangen, dem sie auch ihre Stimme unterwirft: hoch oder doch lieber tiefergelegt? Prononcierte Endungen oder cooles Verschleifen? Oder doch nur ausgestanztes Runterbeten 1000-mal gesagter Sätze? Alles schon mal dagewesen: So könnte die Kollektivüberschrift heißen, die die beiden letzten Uraufführungen am Düsseldorfer Schauspielhaus zusammenbindet.
Kein Entkommen aus den Mustern, die die Elterngeneration ausgelegt, die Medien millionenhaft vervielfältigt und verbreitet haben. Ira, die Heldin in Martin Heckmanns’ «Hier kommen wir nicht lebendig raus», und Jens, Protagonist in Juli Zehs «Good Morning, Boys and Girls» versuchen es trotzdem, der Junge im großen Killertraum vom Amoklauf, das Mädchen in der Verweigerung aller bürgerlichen Rollenangebote.
Juli Zehs Klischeevermeidung
16 ist Juli Zehs prototypischer Amokläufer, und neutraler als Jens kann man kaum heißen. Einerseits. Andererseits bleibt diese Neutralität nicht unkommentiert: Sie erweist sich in ihrer ...
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Sie stehen alle mit dem Rücken zur Wand. Auch wenn die wegbricht, tut sich für die vom Leben gelangweilte und vom Tod verschmähte Gesellschaft keine Weite und Perspektive auf: Hinter der Wand kommt noch eine Wand, und man weiß, das geht so weiter, ohne Ausweg. Manchmal kleben die Figuren förmlich an dem nur oberflächlich noblen Bretterverhau, als ob auch morsches...
Natürlich sind wir Kulturkonsumenten politisch wahnsinnig gebildete Zeitgenossen. Sobald es allerdings um etwas mehr als die (griechische) Staatspleite oder Guido Westerwelles Vorstellungen von «spätrömischer Dekadenz» geht, können sich durchaus Wissenslücken auftun. Wieso bissen sich zum Beispiel Nikita Chruschtschow und Walter Ulbricht bei ihrem Treffen am 1....
Jeder ist in seine Tätigkeit versunken, scheint seine Nische gefunden zu haben. Mit Pinsel und Federkiel wird die Erklärung der Menschenrechte, Worte wie «egalité» oder «rights of the human person» auf große Pergamente gemalt. Manche arbeiten im Stehen, einer hockt am Boden über seiner Schrift, ein nächster oben auf einer Leiter. Im Zentrum ein Mann im Frack und...
