Boulevard in die Dunkelheit
Hier wird man noch mit Handschlag begrüßt. Rainer Frank heißt das hereinströmende Publikum einzeln willkommen, hier ein Händeschütteln, da ein aufmunterndes Augenzwinkern, später geht er durch die Reihen: «Wem habe ich noch nicht die Hand gegeben?» Er präsentiert joviales Strahlen mit dem Appeal eines Thomas Gottschalk auf dem Höhepunkt seiner Schaffenskraft. Das grenzt an Karikatur, und das soll es auch in diesem «Timon von Athen» in der Kammer 1 in Magdeburg, in dem Frank die Titelfigur des feierlustigen Lebemanns gibt.
Inszeniert hat ihn Andreas Kriegenburg, der nach langen Jahren wieder in seine Heimatstadt zurückkehrt, wo er als Bühnentechniker in den 1980ern zum Theater kam, und dabei eben jenes nicht ganz so häufig erzählte Shakespeare-Stück im Gepäck hat.
Timon ist ein reicher Adliger, der über seine Verhältnisse lebt, weil er seinen Wohlstand in teuren Festen und Geschenken verprasst. Als er selbst Unterstützung benötigt, wird er verstoßen und zieht sich grollend und auf Rache sinnend in den Wald zurück. Frank gibt diesen Timon von Magdeburg zunächst flott, oberflächlich und naiv. Um ihn herum schwirrt im rot aus -geschlagenen Bühnenraum das Ensemble des Magdeburger ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Torben Ibs
Ein irre lautes, explosionsartiges Wellen-Donnern, ein greller Blitz, der die Netzhaut flackern lässt: Die britische Singer-Songwriterin Anna Calvi entfesselt schon in ihrer Ouvertüre zu Robert Wilsons «Moby Dick» ein musikalisches Live-Inferno erster Güte. Während nichts als die gigantische Projektion eines aus grauen Wellen hervorschießenden Wals die Finsternis...
In meiner kurzen Festrede werde ich überwiegend auf das chilenisch-deutsche Verhältnis in Deinem Festivalprogramm fokussieren, was nicht schmälern soll, dass sich Dein Programm der letzten 30 Jahre liest wie ein «Who is Who» der internationalen Theaterszene. Respekt, wie viele Künstler:innen aus der ganzen Welt Du nach Chile gebracht hast, wie viele chilenische...
Dumpf ist das Volk und feierwütig. Dass sich die deutsche Geselligkeit unter Alkoholeinfluss gerne mal in Polonaisen Bahn bricht und dabei «Fiesta Mexicana» grölt, ist allgemein bekannt. Im Unterholz einer Berliner Grünanlage wirkt die Exotisierung der Migration im Deutschen Schlager allerdings besonders grotesk – eine Art Running Gag zwischen religiöser Prozession...
