Aufklärung und Rassismus
Ich komme gerade aus der 55. Vorstellung von «Verrücktes Blut» im Ballhaus Naunynstraße. Es ist der vorletzte Abend der Spielzeit und eine Premiere für vier Umbesetzungen. Rahel Jankowski, Erol Afsin, Emre Aksizoglu und Gregor Loebel sind in feste Ensembleverträge in Düsseldorf oder in Schauspielschulen nach Bern und Essen gegangen, Hasan Akkoush, Pinar Erincin, Murat Dikenci und Paul Wollin haben übernommen, es ist wahnsinnig gut gelaufen, die ganze Anspannung ist in die Sache geflossen.
Die ZuschauerInnen waren ebenso hoch konzentriert wie die SpielerInnen, tosender Applaus, kathartisch mit Zustimmung zulächelnde Gesichter am Ausgang. Überwiegend bürgerliches Berliner Publikum.
Was ist eigentlich der Grund der Zustimmung? Immer wieder forderten sogenannte erwachsene Zuschauer und auch manche KollegInnen energisch, dass sich das doch eigentlich «diese Jugendlichen» anschauen müssten. Dass in dieser Konstellation die Erwachsenen «deutsch» und die Jugendlichen «migrantisch» sind, kann man sich schon fast denken. Nicht alle ZuschauerInnen scheinen zu bemerken, dass sich «Verrücktes Blut» genau an die Menschen richtet, die es anschauen, und eben deren Blick auf «diese» Jugendlichen ...
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Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Shermin Langhoff, Seite 26
von Shermin Langhoff
Das einzig Ungewöhnliche an dem ganz und gar gewöhnlichen Mehrfamilienhaus in der Bochumer Wilhelm-Stumpf-Straße ist, dass auf dem Klingelbrett drei Mal der Name Beckmann steht. Maja Beckmann wohnt hier, Ensemblemitglied des Bochumer Schauspielhauses gleich um die Ecke. Ebenso ihr jüngerer Bruder Till Beckmann, der Ruhrgebietsliteraturwettbewerbe veranstaltet, im...
Die große Wut hatte ich vor etwa 20 Jahren. Das Theater war leidenschaftslos, verbeamtet, routiniert, beschäftigte sich vor allem mit sich selbst. Ich hatte die Nase voll, schmiss alles hin, flüchtete nach Paris, ließ alles liegen.
Wut macht rücksichtslos, aber Wut gehört zur Freiheit. Menschen, die Wut nicht kennen oder Wut nicht wagen oder sie fürchten, langweilen...
Wut ist Teil meines Theaters. Obwohl ich sehr liebevoll mit den Leuten arbeite. Aber schon was ich behandle, hat sehr viel mit Wut zu tun. Zum einen mit einer verbreiteten Art, Theater zu spielen, an der ich als Schauspieler verzweifelt bin. Wo ich gerne selbst viel weiter gegangen wäre, bin ich runtergedrückt und weggeputzt worden. Als Regisseur habe ich auf...
