Auffahrunfall
Aus zwei verschiedenen Richtungen – wie Wagen in zwei Fahrtrichtungen auf einer nächtlichen Landstraße, die sich für einen einzigen kurzen Moment begegnen und dann aneinander vorbeirauschen –, so laufen die Geschichten und Lebenswege in Christoph Nußbaumeders Stück «Das Fleischwerk» aufeinander zu. Sie streifen, verletzen und verlieren sich. Brutal sind sie alle, rücksichtslos: Jeder Weg führt bis zum bitteren Ende. So wie der Weg der Schweine, der im Fleischwerk grausam endet.
An der Schlachtanlage treffen sich die Wanderarbeiter Europas und die scheinbar Sesshaften der Provinz. Sie kommen aus Bulgarien und Deutschland, aus der Fremde und aus dem Dorf. Es gibt ein Innen und Außen des Fleischwerks, und dazwischen liegen Welten. Nur für einen kurzen Moment nehmen sie sich wahr, genug Zeit, um sich weh zu tun, zu wenig, um sich zu verstehen.
Die Geschichte, die Christoph Nußbaumeder erzählt, bewegt sich aus dem Gestern und dem Heute aufeinander zu. Sie treffen sich in dem einen kurzen Moment, der ein Mord ist.
Da ist Rabanta, Daniel, 50 Jahre. Einmal war er Fernfahrer, nun ist er Viehfahrer. Er war im Gefängnis, weil er seine Frau aus Eifersucht im Streit erschlug. Gewollt hat er ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 193
von Sabine Reich
Seit Adam und Eva beginnt alles mit einem Trauma – Geburt. Was danach folgt, sind Lektionen fürs Leben. Ungefähr so läuft es im allgemeinen und auch im konkreten Fall: Die Empfängnis war zwangsläufig, und gegen die nachfolgende Schwangerschaft konnte sie nichts unternehmen. Also rüstet die Mutter ihr Kind noch vor der Geburt für ein anderes Leben. Gehorsam befolgt...
Theater gibt es gar nicht, das Wort ist ein leerer Raum. Das Theater ist ein Ort, an welchem Menschen sich einfinden, um einer ritualisierten Handlung beizuwohnen. Eine Communitas sollte entstehen zwischen Publikum und Spielern, eine Gemeinschaft, die es nur im Theater geben kann und leider kaum je gibt heute. Da ich also an einem Ort arbeite, den es nicht gibt und...
Aus der Theatervorstellung, die ich gestern besucht habe, bin ich aufs Seltsamste erfüllt von einem durch die Bewegungen und Nichtbewegungen, dem Sprechen und Nichtsprechen der Schauspieler in mich hineingepumpten Raumgefühl wieder hinausgewankt, so dass ich eben zum Beispiel erst gestern, nachdem ich einige Stunden mit diesem völlig neuen Raum- und Klanggefühl...
