Auf schmalem Grat
Ein Schulkamerad steckt dem jungen Marcel in Prousts «Suche nach der verlorenen Zeit» mal einen Vers. Racine, sagt dieser Bloch, habe einen Alexandriner geschrieben, der rhythmisch ziemlich gut sei, aber darüber hinaus noch den viel größeren Vorzug besitze, dass er absolut nichts aussage. Und wie lautet dieser Vers? «La fille de Minos et de Pasiphaé» – die Tochter von Minos, dem König von Kreta und der Unterwelt, und der Schwester von Circe ist, nun eben, Phädra.
Racines «Phèdre» wird Marcel in allen Lebenslagen begleiten, selbstredend kann er sie auswendig, und auch die vergötterte Berma, die Tragödin, der Sarah Bernhardt Patin gestanden hat, rezitiert sie in einer Schlüsselszene. Davon ist Marcel dann allerdings ein wenig enttäuscht: Die fantasierte Vorstellung war doch besser. «Phèdre» zieht sich wie ein roter Faden durch die «Recherche» und durch Marcels Amouren; vielleicht lässt sich der Roman erst durch die Tragödie begreifen. Und auch in weniger gelehrsamen Zeiten als denen von Marcel Proust darf man getrost davon ausgehen, dass der Stoff in Frankreich bekannt ist: «Phèdre» ist nicht einfach ein Theaterstück, es ist nationales Kulturgut.
«Phèdre(s)» wahlweise im Plural ...
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Theater heute Juni 2016
Rubrik: Ausland, Seite 32
von Andreas Klaeui
Machen Sie mal alle: Ohhh!», grinst der «Musiktherapeut Hubert Wild» in die Zuschauerrunde und nervt gleich übergriffig weiter: «Staunen Sie mal in Ihren Hocker rein!» Man hatte ja durchaus befürchtet, dass sich dieses in jeder Hinsicht hohle Sitzmöbel, das man eingangs aus Pappmaché selbst hatte basteln müssen, zum zentralen Handlungsträger dieses seltsamen...
Wut
(kleines Epos.
Geh bitte, Elfi, hast dus nicht etwas kleiner?)
© Aufführungsrechte: Rowohlt Theater Verlag, Reinbek bei Hamburg, 2016
Eine Saat? Eine Saat sollen wir sein? Männersaat, nein, da sind auch Frauen, geharnischt aber beide Geschlechter, manche auch nur geraubt, mit uns beiden sind wir, mit uns sind wir schon drei. Kurz zur Erinnerung, Sie...
Bis heute, ein Dutzend Jahre nach dem finalen Ende, macht es in Frankfurt einen Unterschied, ob man die Tage des TAT miterlebt hat oder nicht. Dieses Theater hat das Bewusstsein der Interessierten dieser Stadt tiefgreifend und nachhaltig geprägt, verändert, beeinflusst, ihr Kunstverständnis, ihre institutionelle Kompetenz, ihre Unabhängigkeit. Heiner Goebbels...
