Auf die Straße, so lange es geht
Die alte Wein-Fabrik an der Melikishvili Straße ist ein Musterbeispiel für die Gentrifizierung Tbilisis. Schicke Bars und Restaurants verteilen sich auf das historische Gebäude samt umliegendem Stadtgarten; ein edler Concept-Store für georgische Antiquitäten, Kunst und Mode bietet seine hochpreisige Ware beinahe klandestin im Inneren an. Ganz unten, im Kellergewölbe zur Straße hin, betreibt die freie Gruppe Haraki (dt.
Chaos, explosive Energie) seit vier Jahren ein Theater – von einem der Zuschauerräume aus blickt man sogar durch die vergitterte Decke auf die verstaubten Weinflaschen in der Etage darüber.
Während des Georgischen Showcases, der Ende September in Tbilisi stattfand, zeigt die junge Truppe um Autorin Mariam Megvinyte und Regisseur Sandro Kalandadze dort einen vierstündigen «Hamlet», der ausländische Besucher:innen direkt in die Gedankenwelt junger Georgier:innen hineinzieht. Die Gruppe, die sich 2019 bewusst außerhalb staatlicher Theaterstrukturen gegründet hat, zieht dabei viele Register des experimentellen zeitgenössischen Theaters, sei es durch die Nutzung von Raum und Video, Mariam Megvinytes ergänzende Texte oder das körperlich intensive Spiel des Ensembles. Der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2026
Rubrik: International, Seite 46
von Eva Behrendt
Pläne der Redaktion
Einen «Borderline-Zustand» attestiert Krzysztof Warlikowskis Warschauer Nowy Teatr mit seinem Festival der polnischen Gesellschaft – zerrissen zwischen Manie und Depression. Ein Report
Simon Werdelis war als Schauspieler schon zum Berliner Theatertreffen eingeladen und hat als Regisseur Caren Jeß mit zum Mülheimer Dramatikpreis verholfen – ein...
Ihre Diagnose: Unsere Welt hat ziemlich viele Schwachstellen. Oder direkter: Unsere Gesellschaft ist krank. Ihre entsprechende Allegorie: ein Fanfaren-Quartett am Königshof. Noëlle Haeseling hat mit «Fanfaren!» ein neues Stück geschrieben, das daherkommt wie ein lustiges Kammerspiel, nur um dann doch die großen Bögen zu schlagen. Arbeitsethos, Routine,...
Es ist ein denkwürdiger Auftritt, den der südafrikanische Performance-Künstler Steven Cohen bei der 35. euro-scene in Leipzig hinlegt. Vor zwei Jahren war er schon einmal zu Gast in Leipzig, sein Auftritt im Schauspielhaus (mit «Put your heart under your feet ... and walk!») sorgte damals für Ohnmachtsanfälle, und seine kleinen Werke «Sphincterography» und «Deface»...
