Auf der Wiederholungsspur

Emre Akal schickt Rainer Werner Fassbinders «Katzelmacher» an den Münchner Kammerspielen auf eine Gruselfahrt durch die dümpelnden Abgründe einer noch immer saturierten Gesellschaft

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Bitte anschnallen, gleich geht’s los! – Ein Krachen, Fauchen und Rumpeln wie in der Geisterbahn verheißt, dass es gleich ungemütlich werden soll, aufregend und bedrohlich. Begegnungen mit bösen Gespenstern aus Vergangenheit und Zukunft sind zu erwarten.

Mitten in den gediegenen Bronzerahmen des Jugendstilportals der Münchner Kammerspiele hat das Künstlerduo Mehmet & Kazim Akal eine Verkleinerung desselben aus silbrigen Wülsten gebaut, die auch ein vergröberter Laptopmonitor sein könnte.

Drumherum blubbern, brodeln, wabern computeranimierte Blasen und dunkler Qualm, passend zum wilden Sound von Enik. Doch dann gibt es zunächst noch einmal scheinbar Entwarnung: Der Screen öffnet sich und gibt den Blick frei in ein kuscheliges Idyll vor orangener Flokati-Tapete, sechs süße Katzen singen Miau und prosten sich aus Knetkrügen zu. Ein etwas dunklerer Kater mit schmaleren Augen rollt sich ein Wollknäuel zum Sitzen dazu – und wird prompt ausgegrenzt: «Was bist denn du für einer?» – «Was will denn der bei uns?»

Fassbinder revisited
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Theater heute Juni 2025
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Silvia Stammen

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