Auf der Suche nach dem Danach
SIE und ER begegnen sich ganz zufällig und werden einander dann nicht mehr so recht los. Was sich wie der Beginn einer Liebesgeschichte liest, entwickelt sich schnell zu einem Kaleidoskop größtenteils komplizierter Lebens- und Liebesbeziehungen, unerfüllter Bedürfnisse, falscher Hoffnungen, freiwillig gewählten Selbstbetrugs und hilfloser Lügen. Wer die Stücke der Autorin Ulrike Syha kennt, weiß, dass sie sich unumwunden zur Gegenwart und ihren speziellen Widrigkeiten bekennt und somit keine Beschreibung romantischer Zweisamkeit zu erwarten ist.
So ist auch der erste Schauplatz ihres neuen Stücks, das als Auftragswerk für das Schauspiel Chemnitz entstand und zu Beginn der neuen Spielzeit uraufgeführt wird, ein alles andere als exklusiver: ein überfüllter Zug. ER erkämpft sich im Gewühl seinen reservierten Fensterplatz; SIE telefoniert zu laut mit ihrem Liebhaber. Vor dem Zugfenster vergessene Landstriche und Industrieruinen. Am gemeinsamen Ausstiegsbahnhof trennen sich zunächst ihre Wege, um sich am gleichen Abend im einzigen noch geöffneten Restaurant am Platz wieder zu kreuzen. Sein Hotelzimmer ist die letzte gemeinsame Station des Tages …
Was beide voneinander noch nicht ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 179
von Esther Holland-Merten
Was für ein schöner Titel: «Theater des Jahres 2008». Dankeschön, liebe Kritiker! Wir werden dieses Prädikat feiern, und Bernd Wilms, der im Abgehen ausgezeichnete Intendant, wird zum Anstoßen auf seiner alten West-Ost-Route von Charlottenburg nach Mitte in die Schumannstraße geradelt kommen. Glückwünsche werden jederzeit gerne entgegengenommen, unsere Grafik...
Das Thema des Stückes ist nicht Asyl, obwohl ein Asylant darin vorkommt und die Autorin Anne Habermehl darüber viel recherchiert und gearbeitet hat. Das Thema des Stückes ist auch nicht – zumindest nicht in erster Linie – der Kampf der Kulturen, der Zusammenprall von Erster und Dritter Welt, obwohl genau das passiert und ein algerischer Wirtschaftsflüchtling auf...
Nach dem Stück ist vor dem Stück, jedenfalls im nach wie vor begnadeten deutschsprachigen Theatersystem. Nie gab es so viele Uraufführungen, junge Autoren, Schreibschulen, Stückemärkte, Hausautoren, Auftragswerke und Preise wie in diesen gesegneten Zeiten!
Man könnte einen hochtourig laufenden Betrieb dahinter vermuten, wenn, ja wenn die Liebe nicht wäre: die Liebe...
