Auf der Suche nach dem Danach
SIE und ER begegnen sich ganz zufällig und werden einander dann nicht mehr so recht los. Was sich wie der Beginn einer Liebesgeschichte liest, entwickelt sich schnell zu einem Kaleidoskop größtenteils komplizierter Lebens- und Liebesbeziehungen, unerfüllter Bedürfnisse, falscher Hoffnungen, freiwillig gewählten Selbstbetrugs und hilfloser Lügen. Wer die Stücke der Autorin Ulrike Syha kennt, weiß, dass sie sich unumwunden zur Gegenwart und ihren speziellen Widrigkeiten bekennt und somit keine Beschreibung romantischer Zweisamkeit zu erwarten ist.
So ist auch der erste Schauplatz ihres neuen Stücks, das als Auftragswerk für das Schauspiel Chemnitz entstand und zu Beginn der neuen Spielzeit uraufgeführt wird, ein alles andere als exklusiver: ein überfüllter Zug. ER erkämpft sich im Gewühl seinen reservierten Fensterplatz; SIE telefoniert zu laut mit ihrem Liebhaber. Vor dem Zugfenster vergessene Landstriche und Industrieruinen. Am gemeinsamen Ausstiegsbahnhof trennen sich zunächst ihre Wege, um sich am gleichen Abend im einzigen noch geöffneten Restaurant am Platz wieder zu kreuzen. Sein Hotelzimmer ist die letzte gemeinsame Station des Tages …
Was beide voneinander noch nicht ...
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Theater heute Jahrbuch 2008
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 179
von Esther Holland-Merten
Im Jahr 1968 war von «68» noch lange nicht die Rede. Solche historischen Großetiketten für Brüche und Epochen entstehen immer erst hinterher – dafür halten sie sich, einmal in der Welt, umso hartnäckiger. 40 Jahre später, nachdem 68 viele Siege errungen hat und viele Tode gestorben ist, nachdem es ausführlich gefeiert und leidenschaftlich verdammt wurde, lässt...
Ein 68er bin ich wahrlich nicht. Für Mitbestimmung hatte ich in den fünfziger Jahren demonstriert, als Teilnehmer von DGB-Kundgebungen. Da ging es darum, die paritätische Mitbestimmung der Arbeitnehmer in der Industrie durchzusetzen. Heraus kam ein Kompromiss: Die erweiterte Mitbestimmung (paritätisch besetzte Aufsichtsräte, Arbeitsdirektoren in den Vorständen)...
Die Schneiderei, die Nebenspielstätte des Schauspielhauses, ist ein Raum mit vielen Fenstern zur Porzellangasse, in den durch die morsche Doppelverglasung der Lärm der Stadt dringt. Ewald Palmetshofer, der Hausautor des Schauspielhauses, sitzt hier, neuerdings täglich, um zu schreiben. Die Schneiderei, mit Hans Gratzers altem Schreibtisch aufgerüstet, ist sein...
