Arad Dabiri: DRUCK!

Das Stück entstand im Rahmen des Drama Lab der Wiener Wortstaetten 2023. © Felix Bloch Erben GmbH & Co. KG, Berlin, 2024

Theater heute - Logo

Figuren
Hassan
 der Bruder 

Shirin die Schwester

Omar, Murat, Freddie die Freunde 

 

WIEN – HEUTE – ZWEITAUSENDUNDDREIUNDZWANZIG

SZENE 1!

DIE ERSTE NACHRICHT!

Ein dunkler Raum.
Irgendwo in Wien.
Klänge nahöstlicher Saiteninstrumente im Hintergrund.


Ein einziger Lichtkegel scheint
von der Decke auf
HASSAN
der denkt
und verarbeitet
der seziert
und sich therapiert
und
schließlich
stürzt:
auf den Boden
dieser neuen Welt.

Es gibt da ein Sprichwort bei uns:

In meiner Stadt
Wirst du etwas
Oder aber fällst
Aus dem sechsten Stock

Er stand am Fensterrand
Ein Leben lang
Und auf den Boden zu sehen
Traut sich hier niemand

Das Urteil steht aus
Wien & Justitia
Im freien Fall
Bis zur Antwort

Darauf
Ob er reingeht
Denn wissen
Tun wir nichts

Außer
Was mit uns ist:
Denn wir bleiben draußen
Und sehen dabei zu

Wessen
Schuld ist es?
SEINE!
Der er jahrelang
Sich diesen Weg ebnete

Wessen Schuld ist es?
MEINE!
Der ich jahrelang
Auf Einsicht hoffte

Wessen Schuld ist es?
EURE!
Die ihr jahrelang
Nur zugesehen habt

Niemand kennt die Antwort
Und vielleicht
Will sie auch niemand
Wirklich hören

Die neue Welt:
Zwischen dem Bruder
Und uns
Nur die Gitterstäbe

Die Rolle, die ich spiele:
Ein Bruder
Ein Sohn
Eine ...

ARAD DABIRI wurde 1997 in Wien geboren und wird von dort auch nicht wegziehen. Sein Debütroman «DRAMA» war für den Franz-Tumler-Preis nominiert und wurde als bestes Debüt mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet, sein zweiter Roman «GLORIA!» ist im Oktober 2024 erschienen. Im Rahmen des Drama Lab der Wiener Wortstätten entstand sein Debütstück «DRUCK!», für das er mit dem Autor:innenpreis des Heidelberger Stückemarkts 2024 ausgezeichnet wurde.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2025
Rubrik: Das Stück, Seite 100
von Arad Dabiri

Weitere Beiträge
Frauen am Rand der Übersinnlichkeit

Auch, wenn es der Titel erst mal nicht vermuten lässt: In «Das Licht», Tom Tykwers Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale, lauert de facto die Apokalypse – und zwar direkt vor der Büro-Tür: Kein Tag, an dem Lars Eidinger als High Performer einer Werbeagentur, der seine Kampagnen gern mit den Abendbrottisch-O-Tönen seiner Fridays-for-Future-Tochter...

Helvetisches Unbehagen

Ein irrationaler Amoklauf aus der Mitte der Gesellschaft heraus: «Graf Öderland», das Frisch als sein Lieblingsstück bezeichnet hat, vielleicht weil er darin dramaturgisch so frei von Zwängen ist wie in kaum einem anderen, ist zugleich sein unzugänglichster Bühnentext. Ein Staatsanwalt kann keinen Sinn mehr erkennen in dem, was er tut. Er bricht aus, lehnt sich...

Welt am Anschlag

Kleiner Weltuntergang gefällig? Bitte sehr! Gerade nimmt ein netter Mega -sturm Kurs auf Westeuropa, der alles ratzekahl wegfegen wird bis unters Fundament, Mensch und Tier eingeschlossen. Soweit die Annahme in Theresia Walsers «Die Erwartung», die ausgewähltes Mittelstandspersonal beim letzten Packen und Flüchten ausführlich zu Wort kommen lässt.

Von oben nach...