Applaus zahlt keine Miete

Das Internationale Sommerfestival Hamburg überzeugt mit einem klug kuratierten Programm, verheddert sich aber in seinen eigenen Widersprüchen

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Alle Räder stehen still / wenn dein starker Arm es will.» Zumindest drei Stunden lang geht erst einmal nichts mehr: Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat zum Warnstreik im Hamburger Produktionshaus Kampnagel aufgerufen, drei Stunden werden während der Eröffnung des Internationalen Sommerfestivals Zeichen gesetzt. Das Vorderhauspersonal, der Einlass, die Garderobe: alle im Ausstand.

Immerhin: Das Kassenteam lässt sich von Kampnagel-Intendantin Amelie Deuflhard beknien, wenigstens eine Notbesetzung aufrecht -zuerhalten, und die Technik sorgt dafür, dass Deuflhard und Festivalleiter András Siebold im dieses Jahr vom Szenografenduo Jascha&Franz gestalteten Hinterhof «Avant-Garten» ihre einführenden Reden halten können. Wobei die Eröffnung unter den gegebenen Umständen ein Eiertanz ist: Man sollte sich als Arbeitgeber:in nicht pseudosolidarisch an die Streikenden ranwanzen, aber allzu große Geringschätzung für ihr Anliegen sollte man auch nicht zeigen – immerhin versteht sich das Internationale Sommerfestival als links, progressiv, getrieben von Solidarität mit marginalisierten Gruppen, zu denen man die unterbezahlten Kampnagel-Mitarbeiter:innen zweifellos zählen kann. Und ...

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Theater heute Oktober 2025
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Falk Schreiber

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