Rätselbilder in Licht und Schatten
Wann und wodurch beginnt jemand Künstler zu sein? Ist er schon Künstler ohne Werk? Wie hat Robert Wilson für sich den Moment «since I’ve been me» bestimmt? Am Anfang seiner künstlerischen Biografie steht ein Akt der Befreiung. Der Junge Bob aus Texas stottert und ist viel mit sich allein, in Abgrenzung von der konservativ-frommen Umgebung und dem straighten Vater.
Bei einer für seine Zukunft entscheidenden Bewegungstherapeutin bewältigt er sein Handicap (nach ihr wird er seine Company, The Byrd Hoffman School of Byrds, und seine Foundation benennen), um bald in dem ‹verhaltensgestörten› Christopher Knowles einen Hauptdarsteller zu finden. Aber Wilsons Kunst vom Ansatz des Heilverfahrens herzuleiten, wäre verkehrt. Doch kommt dem Aspekt der Autonomie, der Begabung aus sich selbst hervorzutreten, eine zentrale Bedeutung zu: «die Zärtlichkeit für das Ausgefallene», so Ivan Nagel. Wilsons Kunst ist zweckfrei, immun gegen Deutung, «Against Interpretation», um Susan Sontags leicht misszuverstehendes Verdikt zu zitieren.
Ihr ästhetischer Kern liegt in dem anderen Blick, der anderen Ich-, Welt- und Wirklichkeitswahrnehmung. Wilson, der sich in seinem visuellen Denken insofern als ...
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Theater heute Oktober 2025
Rubrik: Nachruf, Seite 36
von Andreas Wilink
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