Appelle gegen rassistisches Kopfkino

Während Großbritannien nationalistisch wählt, geht es im Londoner Theater um ein kulturell fragmentiertes Land. Über Annie Bakers «The Antipodes», Sabrina Mahfouz’ «A History of Water in the Middle East», Gurpreet Kaur Bhattis «A Kind of People», Arinzé Kenes «Little Baby Jesus» und Jackie Sibblies Drurys Pulitzer-Preis-Gewinner «Fairview»

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Man ist auf der Suche nach der nächsten großen Geschichte: «Der Rest der Welt geht vielleicht zum Teufel, aber die Geschichten sind besser denn je. Und wir haben die Möglichkeit, etwas völlig Neues zu schaffen … Wir können die Welt verändern.» Mit diesem hingerotzten Hype empfängt der erfolgsverwöhnte Medienguru Sandy sechs Projektautoren an einem gigantischen ovalen Glastisch. Ob Fantasy-Film oder nächster Gaming-Hit: Worum es genau geht, wird nie ganz klar.

Annie Bakers «The Antipodes» startet im scheinbar sicheren Territorium des klassischen angloamerikanischen Naturalismus und schraubt sich über zwei Stunden, in denen keiner der Autoren je den Raum verlässt, mit ständigen, fast unmerklichen Veränderungen in Temperatur und Atmosphäre in ein surreales Endzeitszenario. 

Übereifriges Brainstorming persönlicher Erlebnisse – der erste Sex, das größte Scheitern, je krasser, desto besser für Sandy – weicht tragikomischem Stochern in Klischees und alten Mythen, niemandem kommt die zündend originelle Idee. In der immer verzweifelteren Suche nach «something monstrous» lässt Baker unablässig verschiedenste Facetten patriarchalen Machtspiels und gruppendynamischer Supergaus aufblitzen. So ...

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Theater heute März 2020
Rubrik: International, Seite 43
von Patricia Benecke

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