Appelle gegen rassistisches Kopfkino
Man ist auf der Suche nach der nächsten großen Geschichte: «Der Rest der Welt geht vielleicht zum Teufel, aber die Geschichten sind besser denn je. Und wir haben die Möglichkeit, etwas völlig Neues zu schaffen … Wir können die Welt verändern.» Mit diesem hingerotzten Hype empfängt der erfolgsverwöhnte Medienguru Sandy sechs Projektautoren an einem gigantischen ovalen Glastisch. Ob Fantasy-Film oder nächster Gaming-Hit: Worum es genau geht, wird nie ganz klar.
Annie Bakers «The Antipodes» startet im scheinbar sicheren Territorium des klassischen angloamerikanischen Naturalismus und schraubt sich über zwei Stunden, in denen keiner der Autoren je den Raum verlässt, mit ständigen, fast unmerklichen Veränderungen in Temperatur und Atmosphäre in ein surreales Endzeitszenario.
Übereifriges Brainstorming persönlicher Erlebnisse – der erste Sex, das größte Scheitern, je krasser, desto besser für Sandy – weicht tragikomischem Stochern in Klischees und alten Mythen, niemandem kommt die zündend originelle Idee. In der immer verzweifelteren Suche nach «something monstrous» lässt Baker unablässig verschiedenste Facetten patriarchalen Machtspiels und gruppendynamischer Supergaus aufblitzen. So ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: International, Seite 43
von Patricia Benecke
Aachen, Das Da Theater
12. Dupont und Hirtz, Auf und davon (U)
R. Maren Dupont
Aachen, Grenzlandtheater
4. Simon, Barfuß im Park
R. Stefan Herrmann
Aachen, Theater
5. Maja Zade, Status Quo
R. Sylvia Sobottka
7. Schiller, Die Jungfrau von Orléans
R. Sarah Klöfer
13. nach Wallace, Kurze Interviews mit fiesen Männern
R. Tanja Krone
Altenburg Gera, THeater
27. Zeller,...
Die einzige Profischauspielerin im Team, Hanna (Werth), gibt gleich zu Beginn den Problemtakt vor: «49 Prozent der Deutschen geben an, dass in ihrer Familie der Nationalsozialismus abgelehnt worden wäre. Niemand möchte gerne Nazis in der Familie haben.» Schon klar, aber: «Irgendjemand muss es gewesen sein. Hitler hat sich ja nicht selbst vom Straßenrand aus...
Breitbeinig steht er da, dünn, blass. «Jeder Mensch ist ein Abgrund, es schwindelt einem, wenn man hinabsieht», sagt er tonlos zu sich selbst. Ein schmalbrüstiger Jüngling ist Woyzeck in Zino Weys Stuttgarter Inszenierung von Georg Büchners gleichnamigem Sozialdrama. Sylvana Krappatsch spielt den Multijobber geradezu autistisch, lehnt sich steifhalsig schräg nach...
