An der Beziehungsfront

Roland Schimmelpfennig «Siebzehn Skizzen aus der Dunkelheit»

Im letzten Jahr veröffentlichte der amerikanische Psychologenverband einen Ratgeber über toxische Männlichkeit. Darin wurden vorherrschende Vorstellungen von Männlichkeit in unserer Gesellschaft, wie z. B. Dominanzverhalten und Konkurrenzdenken, als krankhaft beschrieben. In der darauf entstandenen Debatte wehrte sich Slavoj Žižek dagegen, sein Mannsein als Krankheit attestiert zu bekommen und fühlte sich an die ideologischen Kämpfe zu Zeiten des Kommunismus erinnert.

Dass eine bestimmte Form von vergifteter Männlichkeit nicht anders kann, als mit Hilfe von Gewalt gesellschaftliche Wirklichkeit zu prägen, ist für den Männerforscher Klaus Theweleit offensichtlich. Die Ursache dafür sieht er in der kulturellen Prägung: «Seitdem es männerdominierte Gesellschaften gibt, gibt es auch den Übergriff auf den weiblichen Körper und einen dauernden Vorschriftenkanon mit Definitionen, wie Weiblichkeit auszusehen hat.»

Vor hundert Jahren wurde Arthur Schnitzlers Skandalstück «Reigen» uraufgeführt. Schnitzlers melancholischer Totentanz feiert in zehn Dia­logen die Kunst der erotischen Verführung als Abgesang auf die Donaumonarchie. Auf der Suche nach Nähe, Zärtlichkeit und Selbstbestä­tigung in ...

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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 154
von An der Beziehungsfront