An der Beziehungsfront
Im letzten Jahr veröffentlichte der amerikanische Psychologenverband einen Ratgeber über toxische Männlichkeit. Darin wurden vorherrschende Vorstellungen von Männlichkeit in unserer Gesellschaft, wie z. B. Dominanzverhalten und Konkurrenzdenken, als krankhaft beschrieben. In der darauf entstandenen Debatte wehrte sich Slavoj Žižek dagegen, sein Mannsein als Krankheit attestiert zu bekommen und fühlte sich an die ideologischen Kämpfe zu Zeiten des Kommunismus erinnert.
Dass eine bestimmte Form von vergifteter Männlichkeit nicht anders kann, als mit Hilfe von Gewalt gesellschaftliche Wirklichkeit zu prägen, ist für den Männerforscher Klaus Theweleit offensichtlich. Die Ursache dafür sieht er in der kulturellen Prägung: «Seitdem es männerdominierte Gesellschaften gibt, gibt es auch den Übergriff auf den weiblichen Körper und einen dauernden Vorschriftenkanon mit Definitionen, wie Weiblichkeit auszusehen hat.»
Vor hundert Jahren wurde Arthur Schnitzlers Skandalstück «Reigen» uraufgeführt. Schnitzlers melancholischer Totentanz feiert in zehn Dialogen die Kunst der erotischen Verführung als Abgesang auf die Donaumonarchie. Auf der Suche nach Nähe, Zärtlichkeit und Selbstbestätigung in ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Neue Stücke, Seite 154
von An der Beziehungsfront
Ich befinde mich derzeit in einer Art Zwischenwelt. In meinem unmittelbaren Umfeld war nichts, was ich als katastrophal empfunden hätte. In dem Künstlerumfeld sind alle Überlebenskünstler und prekäre Situationen gewohnt. Sowas wie Bankrott gibt’s da nicht. Man hatte immer genau genug zum Überleben, und jetzt grad überleb ich auch. Es fühlt sich noch nicht an wie...
Beschleunigung in allen Lebensbereichen war ein fundamentales Phänomen unserer Zeit. Denn höher, schneller, weiter ist das inhärente Credo des Kapitalismus. Entschleunigung zu denken oder zu entwerfen, galt bislang als kritische Position. Dann kam Corona. Lockdown. Stillstand. Zeit zum Nachdenken – auch über die Zukunft des Theaters. Zeit zum Nachdenken, wie...
Der Verlust der Bilder ist der schmerzlichste aller Verluste. – Er bedeutet den Weltverlust.» – Diese Zeilen von Peter Handke hängen seit Jahren, mit vielen anderen Verzettelungen, neben und über meinem Schreibtisch. Da die beiden Sätze auf der Rückseite eines Programmzettels für Handkes «Publikumsbeschimpfung» aufgedruckt sind, dachte ich immer, sie wären aus...
