Das System herausfordern
Ich befinde mich derzeit in einer Art Zwischenwelt. In meinem unmittelbaren Umfeld war nichts, was ich als katastrophal empfunden hätte. In dem Künstlerumfeld sind alle Überlebenskünstler und prekäre Situationen gewohnt. Sowas wie Bankrott gibt’s da nicht. Man hatte immer genau genug zum Überleben, und jetzt grad überleb ich auch. Es fühlt sich noch nicht an wie was total Neues, eher wie eine wirklich lange Sommerpause.
Ich war selten so lang am Stück in Österreich und hatte selten so minimale soziale Kontakte mit meinem Team – das ja über ganz Europe zerstreut ist, das ist grad so das Verheerendste an der Situation eigentlich. Ich arbeite in der Regel nicht alleine, sondern mit einem Team von eingeschworenen Leuten. Also es hat sich eher wie ein Retreat angefühlt, und die Realität von sowas, von einem gesellschaftlichen Rückzug, bin ich aus meinem künstlerischen Leben gewohnt und mach ich auch gerne. Also meinen Tagesablauf bestimm ich in der Regel eh selbst, an das sehr reduzierte Stresslevel gewöhn ich mich auch schnell. Ich schlaf definitiv länger als normal, weil meine Agenda nicht so vollgestopft ist.
Ich feiere Veränderung ja auch generell. Von einem ästhetischen ...
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Theater heute Jahrbuch 2020
Rubrik: Antworten auf die Zukunft, Seite 38
von Florentina Holzinger
Der Raum hat seine eigenen Bedürfnisse, er versagt und er gewährt. Bei ihrer ersten Begehung des Friedrichstadtpalasts hätten Pollesch und Hinrichs ein paar Texte fürs Kennenlernen der Akustik dabei gehabt, erzählt René Pollesch beim Telefonat: Etüden über Eskapismus oder über Elvis, wie er Joghurt kauft: «Eskapismus ist ja etwas, das man mit dem...
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